Tradition in steilsten Lagen

Der erste bekannten Hinweis datiert Weinbau bei Aull bereits für das beginnende 13. Jahrhundert. Der erste urkundliche Nachweis kann erst für 1275 geführt werden.

Erste Erwähnung von Weinbau bei Aull

Bis zu dem durch die Auswirkungen des 30-jährigen Krieges bedingten Niedergangs des Weinbaus an der Lahn (vgl. Pahl/Schöne Kurze Geschichte des Lahnweinbaus, S. 2) bezeugen zahlreiche Dokumente den frühen und umfangreichen Besitz des Klosters Dirstein an Weingärten um Aull.
Das Nonnenkloster des Benediktinerordens wurde auf einem Lahnfelsen gegenüber Aull vor dem Jahr 1165 gegründet.

Dieses führt auch der Verfasser der Geschichte des Schlosses Oranienstein in seinem Werk auf Seite 10 aus:

Das Kloster hatte […] schon im Jahr 1211 außerordentlich viele und reiche Besitzungen, […].

Es zählen dazu die Höfe in: …, Aull, …, Gückingen, …, Staffel, ….

Quelle:
Dr. Weniger, Geschichte des Schlosses Oranienstein vormals Kloster Dirstein, jetziges Kadettenhaus, 1899, Verlage von Ph. H. Meckel, Diez a. d. L.
Nachdruck der der Erstausgabe 1899.
Herausgeber Gerhard Schmid und Dr. Wolfgang Stau.
Im Selbstverlag der Herausgeber 1983

Dass zu den Besitzungen auch Weinberge zählten, darf man aus seinem Verweis auf die Hausordnung des Klosters aus dem Jahr 1200 schlussfolgern, nach der jede Nonne täglich etwas Wein, der aus den eigenen Weinbergen geerntet wurde, erhielt.

Da Dr. Weniger die Quellen seiner Ausführungen in seinem Werk leider nicht verzeichnet hat, genügen diese Hinweise nicht den Erfordernissen für einen ersten urkundlichen Nachweis von Weinbau bei Aull.


Diesen führen wir mit folgendem Dokument, in dem wir durch die ebenso erstmalige bekannte Nennung der Orte Langenscheid, Laurenburg und Wasenbach sowie einer weiteren Nennung von Weinähr (Anre) über die frühe Verbreitung von Weinbau in der Region erfahren.

Erster urkundlicher Nachweis

1275

Graf Heinrich von Sponheim (Spanheim) überlässt dem Zisterziensernonnenkloster Affolderbach die Pfarrkirche zu Nievern (Niverin), die Friedrich und Daniel, Herren von Langenau (Langenowe), Dietrich, Heinrich und Wipert, Ritter, Friedrich genannt der Einäugige (dictus Luscus) und Sibido von Laurenburg (Lurinburch) von ihm zu Lehen trugen, auf deren Bitte [hin]. Um aber das Treueband zwischen dem Aussteller und den genannten Mannen zu erhalten, weist jeder von diesen ihm aus Eigengut ein neues Lehen zu im Wert von 18 Schillingen jährlicher Einkünfte, nämlich die Brüder Friedrich und Daniel 2 Mark von ihrem Allod bei Winden (Windin), Dietrich von seinen Weinbergen bei Langenscheid (Langischeith), Heinrich von seinen Weinbergen bei Laurenburg, die Brüder Wipert und Friedrich bei Winzenbach [Wasenbach?] (apud Winzenbach) von ihren Weinbergen bei dem Dorf Aul (Awele), Sibodo von seinen Weinbergen bei dem Dorf Weinähr (Anre).

Quelle: 
Arcinsys Hessen / Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 10, Nr. 2, 1275

Weitere Erwähnungen

3. November 1315

Ritter Otto von Breisig (‚Briseche‘) und seine Frau Trude gestatten dem Heinrich von Aull (‚Awele‘) genannt vom Fischteich (‚de piscina‘) und seiner Frau Adelheid, einen Weingarten von etwa 1 1/2 Malter, bei Dirstein in der Nähe der Weingärten der Mönche (‚monachorum‘) gelegen, den jener von ihnen gegen einen eigenen Zins von 18 Pfennig und zwei Hühnern, fällig zum 11. November, innehat und den der Großvater des Ausstellers von dem + Ritter Hermann genannt Kesselhut gekauft hat, dem Cunemann, Kantor des Limburger Stifts, für 12 Mark zu verkaufen, unbeschadet jenes nunmehr vom Käufer zu entrichtenden Zinses.

Quelle:
Arcinsys - Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 40, Nr. U 74, 1315

Lokalisierung

Einzelheiten zur Lokalisierung der Weingärten finden Sie in den Erläuterungen zu den Lagen Roedelberg und Dirsteiner Berg.


25. Januar 1334

Dyme Prof, genannt von Aull (‚Awele‘), und Styne, Eheleute, verkaufen Jutta, Meisterin des Konvents zu Dirstein, für 11 Mark Pfennig weniger 1 Schilling, 3 Heller für den Pfennig gerechnet, die diese ihnen bezahlt hat, 1 Malter ewiger Korngülte Limburger Maß, die sie jährlich zwischen dem 15. August und 8. September nach Dirstein auf deren Haus auf eigene Kosten und mit eigener Arbeit liefern sollen, aus einem Weingarten, genannt das Paradies, der in eines Erben Hand bleiben soll.

Originaldatierung: D. in conversione sancti Pauli apostoli 1334

Quelle:
Arcinsys - Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 21, Nr. U 32, 1334

Vom Wohnort der Verkäufer ausgehend darf man vermuten, dass besagter Weingarten ebendortgelegen war. Seine beeindruckende Benennung mag von einem qualitativ hohen Ertrag herrühren.
Ein Hinweis auf seine Lage erschliesst sich daraus heute leider nicht mehr .

weitere Erwähnungen →

Adelhahn

Fast 700 Jahre nach seiner ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1319 und 60 Jahre nach der letzten Lese im Jahr 1958 begann mit der Wieder-Bestockung der im Zuge der Flurbereinigung rekultivierten Lage die Zukunftssicherung des Weinbaus an der Lahn.

Langenscheider Klamm

Dieser ehemalige Weinberg an der Langenscheider Klamm befindet sich im Lahntal zwischen Balduinstein und Geilnau in der Gemarkung Langenscheid am Südhang eines beginnenden Taleinschnitts.