Tradition in steilsten Lagen

Den Nachweis von früherem Weinbau bei Steinsberg führen wir mit einem Dokument aus dem Jahr 1344.

Erster bekannter urkundlicher Nachweis

29. November 1344

Die Ritter Cuno von Hattstein und Johann vom Stein bekunden, dass ihre Muhme Agnes, Witwe des Bucher von Steinsberg, ihren Hof zu Steinsberg mit allem Zubehör gegen eine lebenslängliche Gülte von sechs Malter Korn, lieferbar nach Limburg, und einen Fuder Wein, zur Hälfte frenschen (vrenz) und zur Hälfte hunischen (huinez) Weins, ihnen aufgegeben hat. Im Falle der Nichtlieferung erhält der Schaffner des Eberbacher Klosterhofes zu Limburg das Recht der Pfändung.

Originaldatierung: in vigilia beati Andree apostoli 1344

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 22, Nr. U 856 mit Digitalisat

Obwohl – zumindest im Regest – ein Weingarten nicht unmittelbar benannt wird, weist das Dokument auf Grund der bezeichneten Gülte auf zum Hof gehörende Weingärten hin, welche zweifelsohne nur durch die Bewirtschaftung von Weingärten zu leisten war.

Zudem erkennen wir, dass zwei Sorten Wein zu liefern sind.
Ob diese Unterscheidung auf Weißwein (Heunisch-Rebe) bzw. Rotwein (fränkischer/roter) hinweist oder dies auf die Güte hinweist, ist umstritten.

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Digitalisat: HHStAW, Bestand 22, Nr. U 856 
© 2020 Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden.
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Weitere Erwähnungen

20. FEBRUAR 1379

Johann Stolthen von Steinsberg, Holbechers Sohn, verkauft dem Nonnenkloster Bärbach (‚zur Berp-‚) um seiner Not willen für 18 Gulden und 10 Englische Limburger Währung, die das Kloster ihnen bezahlt hat, zu Erbrechtseinen Weingarten zu Steinsberg, der neben dem Weingarten jener Nonnen gelegen ist, genannt der ‚Kluppel‘, mit einem Stückchen, das der Aussteller von den Kindern des Knod gekauft hat und das dabei liegt. 
Der Aussteller hat den Nonnen und ihren Vormündern (‚iren muntbaren‘) diesen Weingarten und das Stück, die beide freies Eigengut sind, mit Halm und Mund vor den Nachbaren und dem Kirchspiel zu Habenscheid (‚Hafginscheit‘) aufgetragen. 
Er setzt dafür zu Bürgen seinen Bruder Rorich von Steinsberg und dessen Schwager Henne im Hof, die geloben, mit dem Aussteller Jahr und Tag Währschaft zu leisten, wie im Lande rechtsüblich. 
– Siegel des Ritters Johann von Allendorf und des Jurkers Johann im Hof.

Quelle:
Archinsys/HHStAW, Bestand 12, Nr. U 62

11. MAI 1381

Heinrich, Edelknecht von Laurenburg, gibt zu Heil und Seligkeit seiner Seele mit Einwilligung seiner Brüder Wiprecht und Eberhard dem Nonnenkloster des St. Klarenordens in Bärbach (‚zu der Berp-‚) zu St. Salvator, Trierer Diözese, zu einem ewigen Testament 3 Schilling Pfennig Limburger Währung, die er dem Kloster mit Halm und Mund aufgegeben hat an dem Gericht zu Esten vor Hartmut, Schultheiß, und Heincze und Guntram von Kelterhusen. 
Er hat die Gülte angewiesen auf seinen Weingarten in dem ‚Dagisborn‘ zu Laurenburg beim Weingarten des Heinrich von Staffel, der auch vormals dem Kloster gehörte, das ihn gegen Hennechins Weingarten zu Steinsberg vertauschte, und setzt jenen Weingarten zum Unterpfand für die am 11. November fällige Gülte. 
Die Nonnen sollen hierfür den Aussteller und seine Altvordern in ihr Seelbuch schreiben und haben sie in ihre ewige geistliche Bruderschaft aufgenommen, so daß sie seine und seiner Altvordern Jahrzeit begehen und ihrer ewig mit Vigilien und Messen gedenken sollen, wie in ihrem Kloster rechtsüblich. 
– Es siegeln der Aussteller und seine Brüder Wiprecht und Eberhard.

Originaldatierung: D. 1381, quinto idus Maii

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 12, Nr. U 68

Durch die Betrachtung weiterer Dokumente darf man davon ausgehen, dass der im vorgenannten Dokument erwähnte Tausch von Weingärten der Flächenzusammenlegung des Klosters Bärbach am Kluppel bei Steinsberg diente. Einzelheiten zur Lage am Kluppel und deren weitere Erwähnungen erfahren Sie über die Verlinkung.


21. März 1414

Emmerich Rödel von Reifenberg der Alte und seine Frau Agnes setzen den Nonnen des Stifts und Kloster vom St. Klarenorden zu Bärbach (‚zu der Berp-‚) ihren Hof zu Steinsberg aus, wie er dem Aussteller von seinen Eltern angestorben ist, mit allem Zubehör an Haus, Hof, Garten, Hofstätte, Weingärten, Wiesen im Holzheimer Feld mit Ausnahme jedoch der ledigen Geld-, Weizen-, Korn- und Hühnergülten, die sie sich auf Lebenszeit vorbehalten. Auch soll das Kloster ihnen auf Lebenszeit 4 Malter Korn Limburger Maß zwischen dem 15. August und 8. September nach Hahnstätten (‚Hoinstaden‘) auf ihr Haus oder eine Meile Wegs um Hahnstätten auf ein Schloß oder in eine Stadt auf eigene Kosten und Gefahr liefern. Erhalten sie miteinander Kinder, so sollen die und deren Erben 2 Malter Korngülte in gleicher Weise jährlich vom Kloster erhalten. Falls einer sich nach dem Tode des andern wieder verheiratet (’sich veranderwerbite‘) und Kinder bekäme, so sollen die kein Erbrecht an den Gülten und Gütern haben. Das Kloster soll für diese testamentarische Schenkung ewig mit Gebeten und Vigilien des Ausstellers und seiner Frau, seines + Vaters Cune, seiner + Mutter Jutta, seines + Vetters Emmerich und aller ihrer beider Vorfahren (‚alderen‘) und Verwandten (‚frunde‘) gedenken und ihre Jahrzeit, wie üblich, begehen. – Siegel des Ausstellers und des Markolf Rödel von Reifenberg, Verwandten (‚maig‘) und Schwagers der Aussteller.

Originaldatierung D. 1414, ipso die beati Benedicti abbatis

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 12, Nr. U 111

 

Lokalisierung

Während im Dokument aus demJahr 1379 die Lage genannt und eindeutig am heutigen Küppel gelegen zu lokalisieren ist, verrät das Dokument mit der erstmaligen Nennung von Weinbau bei Steinsberg nichts über die Lage der Weingärten.

Allerdings weist die heutige Benennung der Flur 5 Weinberg und Der rote Weinberg auf die wahrscheinliche Lage weiterer mittelalterlicher Weingärten hin: der südwestlich des Ortes gelegenen Steilhang zum Rupachtal an der Schmidt-Mühle ist so benannt.

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Steinsberg - Flur 5 Weinberg, Der rote Weinberg
© 2019 LVermGeo / Geoportal Rheinland-Pfalz

Eine Bestätigung wird sich aber erst durch eine Ortsbegehung und die damit verbundene Suche nach Überresten von Weinbergsmauern zu erreichen sein.

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