Tradition in steilsten Lagen

Die Hanglagen bei Aull (Awele 1295, Auwele 1347, Aule 1369, Auwel 1395, Auwil 1429) werden am Ende des 14. Jahrhunderts zur Lagebestimmung von Weingärten im Auwiilre Berg benannt.

Erster bekannter urkundlicher Nachweis

23. Mai 1395

Erzbischof Werner von Trier erhebt auf Bitten von Graf Adolf von Nassau und Diez die von diesem errichtete und bewidmete Kapelle im Dorf Aull (‚Auwel‘), Trierer Diözese, zu einem geistlichen (‚ecclesiasticum‘) Benefizium, bestätigt die Dotation und schreibt der Kapelle geistliche Freiheit zu, doch ohne Schaden für ihn, seine Kirche und jedermann sonst. […]

Die Kapelle wurde mit folgenden Gütern bewidmet, wie dies in den Urkunden darüber näher enthalten ist: […] Johannes von Diez und dessen Sohn Otto, Edelknechte, schenkten einen Weingarten von 1 Morgen und mehr (‚vel citra‘) im ‚Auwiilre‘ Berg, wo oben der Weingarten des Johannes Rodinger und unten der des Contzelo Wernheri von Hambach (‚Hayn-‚) angrenzen; doch behielten sie sich in dem Weingarten eine ständige Gülte von einem Huhn und 1 Schilling Pfennig Limburger Währung, fällig am 11. November, vor.

Der vorgenannte Hermann von Kamen schenkte auch einen Weingarten von 1 Morgen zu Diez an dem ‚Haynberge‘ zwischen den Weingärten des Henno Role und des Kolbe. Else von Heringen, Bürgerin (‚opidana‘) von Limburg, überwies 1 Malter ewiger Korngülte Limburger Maß, fällig zwischen dem 15. August und 8. September, von 4 Malter, die ihr von dem Hof (‚curia‘) des vorgenannten Grafen zu Freiendiez fallen; zum Unterpfand setzte sie 1 1/2 Morgen Weingarten in ‚Nyderdupach‘ bei Altendiez, die einst Siegfried genannt Biiß gehörten.

– Siegel des Ausstellers.

Originaldatierung: D. Erembretstein 1395, die vicesima tercia mensis Maii

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 20, Nr. U 99

Einzelheiten zur Lage der Weingärten zu Diez an dem Haynberge und in Nyderdupach bei Altendiez erhalten Sie über die eingefügten Verlinkungen.


Weitere urkundliche Erwähnungen

01. April 1468

Else Beyer, Äbtissin, und der Konvent des Kl. Dirstein verleihen mit Rat, Wissen und im Beisein der Amtleute ihrer Herren und Grafen zu Diez, Kuno Reifenberg und Johann Frei von Dehrn, sowie Peter Welker und Henne Rickel, beide Kellner zu Diez, ihren Weingarten im Auller (Auweler) Berg, genannt der Siechejungfrauen Weingarten, den Einwohnern zu Aull je zu ihrem Teil: Henne Heubt und seiner Frau Grete, Diele Heybt und dessen Frau Elßgen einen Fleck (placken), gen. die halben Morgen , ungefähr 1 M. Weingarten; Contzen Henne, dessen Frau Agnes und dessen Bruder Nolde l M. gen. die 3 Sd.; Henne zu Gückingen (Juckungen) und dessen Frau Berthe, Contzghin Hoilwyn und dessen Frau Agnethe 1 M. in dem Siechhausberge: Herteln Peter, dessen Frau Else und dessen Bruder Henne 2 M. in demselben Berg. Claß Duese 1 M. ; Jungehenne und. dessen Frau Grete 1 M . ; Henne Rutyng und dessen Frau Elschen ½ M. im Lenehartt; Rytters Henne und dessen Frau Anna ½ M. im Schuppechir; Peter Damer und dessen Frau Nese 1 M. im Gultsmyedde; Meckeln Henne Peter und dessen Frau Else ½ M im Schuppechir. Diese sollen davon jl. nach Dirstein die dritte Traube oder das dritte Legel (liele) geben, und dieser Teilung soll das Kloster in den Weingärten beiwohnen (warten). Sie sollen die Weingärten in gutem, gewöhnlichem Bau halten. Sie sollen jl. in jeden M. Fuder Mist bringen und es nicht ohne Wissen und Willen des Klosters unterlassen, auch die übliche Arbeit zu rechter Zeit vornehmen. Das Kloster kann die Weingärten jl. zwischen dem 15. Aug. und 8. Sept. besichtigen. Wo es Versäumnis feststellt, kann es die Ernte (schore) des Jahres an sich nehmen. Wird das Gebrechen im zweiten Jahr nicht abgestellt, so soll der Betreffende seine Pachtung ( syn bestentenysse) nebst der Ernte verlieren.
– Sg des Konvents

D. 1468, feria sexta nah dem sondag letare

Quelle:
Wolf Heino Struck, Das Benediktinerinnenkloster zu Dirstein, a.a.O., Nr. 651a, S. 339f

Lokalisierung

Die Ortsbezeichnung Auwiilre Berg (Auller Berg) wird heute nicht mehr verwendet. Des Weiteren ist die Lage der die im letzt genannten Dokument ausgewiesenen Weingärten in dem Siechhausberge, im Lenehartt, im Schuppechir sowie im Gultsmyedde derzeit nicht zu identifizieren

Mit rechter Sicherheit tradieren aber die Flurnamen Rotherfeld und Auf Roth im westlichen Teil der Flur 8 der Ortsgemeinde Aull gelegen den früheren dortigen Anbau von rotem (fränzischem) Wein (‚frenczch wins‚ – siehe oben zu 02.06.1389).

Gleiches gilt für das dortige Rothenfeld, das an die Rotherholz bezeichnete Flur 1 der Ortsgemeinde Hambach grenzt.

Geht man davon aus, dass die Gemarkungsgrenze zu Hambach seit dieser Zeit unverändert blieb, lassen die Auswertung und Kombination von Ortsangaben für Weingärten in den vorliegenden Urkunden den Schluss zu, dass der Auwiilre Berg mindestens die Lagen mit der häufig genannten Ortsbezeichnung in der Bach, also von der Gemarkungsgrenze entlang des Hambach bis zum nordwestlichen Ortsrand von Aull umfasst.

Aull, In der Bach
Auwiilre Berg / In der Bach
© 2019 LVermGeo / Geoportal Rheinland-Pfalz

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Mauerfragmente sowie Fragmente einer Terrassierung am Burg-Berg
© 2019 Weinbau an der Lahn / Matthias C. Schmidt
Alle Rechte vorbehalten

Es kann angenommen werden, dass die Hanglage zwischen Gückingen und Aull mit der heutigen Bezeichnung Neuberg ebenfalls dazu gehörte, allerdings gibt es dazu bisher keine Nachweise.

Flur Neuberg, Aull
Neuberg 
© 2019 LVermGeo / Geoportal Rheinland-Pfalz

Sofern diese Hanglage eingeschlossen war, so grenzte sie im Osten an den Roedelberg, an den sich weiter lahnaufwärts der Dirsteiner Berg anschloss.


Topografie

Lage: Südhang im Hambachtal & Flur Neuberg
Exposition: 180˚- 215˚(S-SW)
Hangneigung: TBD
Fläche: In der Bach 15ha, Neuberg: 7 ha

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