Tradition in steilsten Lagen

Weinbau bei Tiefenbach hat eine gut 600 Jahre alte Tradition, deren Beginn sich allerdings urkundlich bisher nicht genauer datieren lässt.
Wegen der allgemeinen Ausweitung des Weinbaus an der oberen Lahn im frühen 15. Jahrhundert (z.B. 1450 in Leun) darf auch um Tiefenbach vom gleichen Zeitraum ausgegangen werden.

Geschichte des Tiefenbacher Weinbergs

Um 1450 finden im „Rothen Buch“, einem Solmser Liegenschaftsverzeichnis, mehrere Weingärten zu Leun im Oberfeld gelegen, Erwähnung. Und ein Hochwald, zwischen Hirschhausen und Tiefenbach, wird als „Wingert“ bezeichnet. Dort lag Rabenscheid, bereits vor 600 Jahren wurde das Dörfchen zur Wüstung. Der Wingert war der Rabenscheidsche Weinberg. Auf Tiefenbach bezogen, gab es in jener weit zurückliegenden Zeit drei Hänge, die mit Rebstöcken besetzt waren: „Der alte Weingarten„, „die Weingärten“ und der Weinberg am „Mittelberg“ (heute Ginsterberg). 
Durch die Wirrnisse des 30jährigen Krieges wurde der heimische Weinbau empfindlich gestört. Im verminderten Maße blühte er nach dem großen Krieg noch einmal auf, um dann fast gänzlich zum Erliegen zu kommen. Nur vereinzelt konnten sich an der mittleren Lahn noch einige Weinberge halten. So ist überliefert, dass um 1700 die Oberen der Cameralen des löblichen Reichskammergerichts zu Wetzlar von einem Solmser Grafen mit „Löhnberger Rothen“ bewirtet wurden.
Am 1. März 1806 wurde in Wetzlar der an der Dalheimer Kapelle gelegene 15 Morgen große Weinberg des Kammergerichtsprokurators Groß öffentlich meistbietend versteigert; 1811 reifte an der Lahn ein Jahrgang heran, der alles bisher da gewesene in den Schatten stellte. Diese Ernte ging nachfolgend als „Kometenwein“ in die Geschichte der Zechkunst ein.
 Noch 1858 wurde der zwölf Jahre später aufgelassene Braunfelser „Hainberg“ (zu Füßen des Schlosses gelegen) erneut mit Rebstöcken bepflanzt. Das letzte „Altenberger Hausmittel“ – so das Etikett – gleichfalls ein Rotwein, der an dem sich zur Lahn hinab neigenden Südhang des ehemaligen Klosters Altenberg reifte, wurde 1891 gekeltert.

Quelle: 
Werner Cornelius (†), Geschichte des Tiefenbacher Weinbergs, 1996
aus: http://www.tiefenbacherwinzergemeinschaft.de/historie/

Weiter interessante Details über die Geschichte des Weinbaus seit etwa 1900 erfahren Sie im Internetauftritt der Tiefenbacher Winzergemeinschaft e.V. (externer, unverschlüsselter Link).


Weitere urkundliche Erwähnungen

Die nachfolgende Erwähnung wird bis zur Widerlegung räumlich dem Ort Tiefenbach zugeordnet.

02. Mai 1504

Peder Mencz und Gela, Eheleute zu Tiefenbach (Diffenbach), verschreiben dem Prior Matern im Pfannstiel (Panstil) einen halben Goldgulden Jahresrente für 10 Gulden gleicher Währung, setzen die Glencken-Wiese zwischen Langenheincze und Schitze, ferner zwei Weingärten, den niedersten am Langenheyncze und Wigel, den obersten an Schiczen Katharine und den Garten zwischen Girhart und Schiczen Katharine, vormals Hayn, zu Pfand und behalten sich den Rückkauf vor.
– Siegler: Ffusthen zu Diffenbach, Rentmeister des Junkers zu Solms

Originaldatierung: 1504 uff dornstag noch sent Walpurgentag

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 3002, Nr. 65 II fol. 53 a

Weinbau heute

1994

1994 begann man in Tiefenbach am Kleeberg mit der Wiederbelebung des Weinbaus.

Einzelheiten erfahren Sie im Internetauftritt der Tiefenbacher Winzergemeinschaft e.V. (externer, unverschlüsselter Link).

Tiefenbacher Kleeberg
© 2019 Weinbau an der Lahn / Sonja Schweitzer 
Alle Rechte vorbehalten
Tiefenbacher Kleeberg
© 2019 Weinbau an der Lahn / Sonja Schweitzer
Alle Rechte vorbehalten

Topografie

Lage: nördlicher Ortsrand von Tiefenbach am Südhang der Gemarkung 'Vor dem Wingerten'.
Exposition: 180° (S)
Hangneigung: tbd
Größe: ca. 2.500qm

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Titelbild: Tiefenbach, Weinberg
© 2019 Sonja Schweitzer. Alle Rechte vorbehalten.

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Adelhahn

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Langenscheider Klamm

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