Tradition in steilsten Lagen

Die in mehreren Dokumenten bezeichnete Lage In der Bach weist zweifellos auf den Hambach westlich von Aull hin.

Den ersten Hinweis auf Weinbau am einzigen Bachlauf bei Aull finden wir in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts.


Erster bekannter Hinweis auf Weinbau im Hambachtal

13. September 1369

Heynemann von Heistenbach, Schöffe zu Diez, verkauft mit Rat und Willen seines Sohns Rychel und seiner Schwiegertochter (‚minre snuorchen‘) Hebel, Witwe seines Sohns Heincze, dem Bruder Konrad, Konversen zu Dirstein, wohnhaft zu Horchheim, für 200 schwere Gulden von Gold, die dieser ihm bezahlt hat, seinen Weingarten zu Aull (‚Aule‘) an dem Berge bei des Siechhauses Weingarten von 2 Morgen Größe (‚und liget dee selbe wingarte vuor zwene m.‘). Der Weingarten zinst 7 Schilling weniger 2 Pfennig dem Siechhaus zu Dirstein. […]

Originaldatierung: Actum et d. 1369, in vigilia exaltacionis sancte crucis

Quelle:
Arcinsys - Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 21, Nr. U 40, 1369

Rückschließend aus den Überlegungen und Schlussfolgerungen, die zur Identifikation der Lage der Weingärten führte, welche in den Urkunden vom 14. und 15. November 1429 benannt wurden, lässt sich die Ortsangabe an dem berge des Siechhauses im Hambachtal, also in der Bach verorten.

Gleichwohl genügt dies nicht für den Nachweis einer urkundlichen Ersterwähnung dieser Weinbergslage.


Dies gelingt jedoch mit dem folgenden Dokument, das die zum Nachweis erforderliche Ortsangabe in der Bach ausweist.

Erster urkundlicher Nachweis

2. JUNI 1389

Mathias von Aull (‚Auwel‘) und seine Frau Gele bekunden, daß sie das Ohm Weingülte Diezer Maßes, das die + Else von Laurenburg, Nonne zu Dirstein, von ihnen für 15 Gulden gekauft hat und für das sie ihr Haus mit Hof und Scheuer nebst Zubehör zu Aull bei der Kirche und ihren Weingarten am (‚in der‘) Bach bei Peter, Hermann Mulners Sohn, mit Ausnahme des angrenzenden, von ihnen gekauften Weingartens zu Unterpfand gesetzt haben, in fränzischem Wein (‚frenczch wins‘) jährlich im Herbst auf Lebenszeit Gertrud von Staffel, Nonne zu Dirstein, und danach dem Kloster Dirstein ins Siechhaus entrichten sollen, da die vorgenannte Nonne Else so darüber verfügt hat. Sie haben Weingülte und Unterpfand mit Halm und Mund aufgegeben und aufgetragen, wie in der Grafschaft Diez rechtsüblich, und geloben Währschaftsleistung, wie im Lande rechtsüblich. Sie können die Gülte jährlich in den heiligen Weihnachtstagen mit 15 Gulden Limburger Währung ablösen. 

– Die Aussteller bitten den ehrbaren (‚frommen mann‘) Hartrad von Dehrn um sein Siegel, das er ankündigt.

Originaldatierung: D. in crastino Nycomedis martiris 1389

Quelle:
Arcinsys - Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 21, Nr. U 43 a, 1389

Weitere urkundliche Erwähnungen

14. NOVEMBER 1429

Johann, Herr zu Helfenstein, Erbmarschall des Trierer Stifts, bekundet seine Zustimmung dazu, daß Emmerich ‚Rudil‘ von Reifenberg den Weingarten, den er von dem Aussteller zu Lehen hat, an der Überfahrt (‚deme fare‘) zu Dirsteinbei dem Weingarten des Klosters Dirstein gelegen, der Meisterin (‚myner frauwen‘) und dem Konvent zu Dirstein im Tausch gegen einen Weingarten zu Aull (‚Auwil‘), den man ‚den Heynen‚ nennt, gegeben hat. Meisterin und Konvent sollen jenen Weingarten ewig und erblich wie ihr übriges Eigen besitzen. Sie sollen jährlich dem Pfarrer auf dem St. Petersberg davon die Weingülte, genannt Seelwein, entrichten, die auf dem vorgenannten, vom Kloster abgegebenen Weingarten ruhte.

Originaldatierung: D. 1429, secunda feria post festum sancti Martini episcopi

Quelle:
Arcinsys - Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 21, Nr. U 49, 1429

Im nachfolgenden Dokument bestätigt die Meisterin des Klosters Dirstein den vorgenannten Tausch.

15. NOVEMBER 1429

Jutta von Monreal, Meisterin des Klosters Dirstein, und der Konvent daselbst bekunden einen Tauschvertrag (‚eynen kuyt‘) mit Emmerich ‚Rudel‘ von Reifenberg. Sie haben ihm zwei Striche Weingarten zu Aull (‚Auwil‘) bei dem (‚der‘) Bach mit dem ‚Heynen‘ gegeben gegen seinen Weingarten, der bei der Überfahrt (‚gen deme fare‘) zu Dirstein unten an ihrem großen Weingarten liegt und von Johann, Herrn zu Helfenstein, zu Lehen gerührt hat. Sie sollen alle Wein- oder Geldgülten entrichten, die auf dem vorgenannten Weingarten gestanden haben, den man den ‚Heynen‚ nennt.

Originaldatierung: (D. 1)429, (terci)a feria post festum sancti Martini episcopi

Quelle:
Arcinsys - Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 21, Nr. U 50, 1429

Für die Bewirtschaftung der klösterlichen Weingärten auf der rechten Lahnseite war die Querung der Lahn unvermeidlich, was durch die Entfernung dieses klösterlichen Besitzes im Tal des Hambachs zusätzlich erschwert war.
Insofern lag eine möglichst zusammenhängende Bewirtschaftungsfläche in Klosternähe durchaus in dessen Interesse.

Der hier dokumentierte Tausch diente offensichtlich der Erreichung dieses Ansinnens.


LOKALISIERUNG

Setzt man voraus, dass die zur besseren Identifizierung erfolgte Benennung des Weingartens nach dem Namen oder der Herkunft seines früheren Besitzers erfolgte, lässt sich der Schluß ziehen, dass jener einem Heyne (Heynemann?) oder Jenem von Haynbach (heute Hambach, sh. 23. Mai 1395) gehörte.

Dies führt uns zu dem bereits aufgeführten Dokumenten vom 13. September 1369, wonach Heynemann von Heistenbach seinen Weingarten zu Aull, der nahe des Siechhauses Weingarten liegt, verkauft, bzw. vom 23. Mai 1395, wonach die Schenkung eines Weingartens dokumentiert wird, der an den des Contzelo Wernheri von Hambach (‚Hayn-‚) grenzt. 
Eine endgültige Festlegung der Namensherkunft lässt sich daher nicht gesichert vornehmen.

Zweifelsohne weist aber die vorstehende Bestätigung des Tausches vom 15. November 1429 den Heynen genannten Weingarten (der des Heynemann oder der an den von Haynbach grenzende)  in der Bach  gelegen aus.

Da dieser nahe des Siechhauses Weingarten gelegen ist, lässt sich dessen Lage in der Bach ebenso bestätigen

In der Kombination der Dokumente ergibt sich daraus die recht gesicherte Bestimmung dessen Lage, wonach sowohl der Heynen genannte Weingarten als auch jene dem Siechhaus gehörenden an den Südhängen des Hambachtals, also in der Bach lagen.

Der vom Kloster Dirstein im Tausch erworbene Weingarten bei der Überfahrt (‚gen deme fare‘) zu Dirstein ist dagegen Im Roedelberg zu verorten, da er unten (lahnabwärts) an ihrem großen Weingarten (am Dirsteiner Berg) liegt.


Topografische Lage

Lage: Südhang der Langenscheider Klamm
Exposition: 180º- 215º (S-SW)
Hangneigung: tbd
Größe: ca 15ha

Die mäßig steilen, nur ca. 20 – 30m hohen, süd- bis südwestlich exponierten Hänge des Hambachs verfügen über gute topografische Voraussetzungen für den Weinbau. 

Unter Berücksichtigung der heutigen Gemarkungsgrenze (Hambach/Aull) bot die Hanglage eine für Weinbau nutzbare Fläche von ca. 15 ha.

Aull, In der Bach
Quelle:
© 2019 LVermGeo / Geoportal Rheinland-Pfalz

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Adelhahn

Fast 700 Jahre nach seiner ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1319 und 60 Jahre nach der letzten Lese im Jahr 1958 begann mit der Wieder-Bestockung der im Zuge der Flurbereinigung rekultivierten Lage die Zukunftssicherung des Weinbaus an der Lahn.

Langenscheider Klamm

Dieser ehemalige Weinberg an der Langenscheider Klamm befindet sich im Lahntal zwischen Balduinstein und Geilnau in der Gemarkung Langenscheid am Südhang eines beginnenden Taleinschnitts.