Tradition in steilsten Lagen

Den ersten urkundlichen Beleg für Weinbau bei Dehrn finden wir bereits in einem Dokument aus dem Jahr 1279.

01. Dezember 1279

Johannes von Dehrn, Kanoniker des Stifts Dietkirchen, und sein Bruder, Ritter Friedrich, sowie dessen Frau bekunden, daß ihr + Bruder Peter von Dehrn, Kanoniker des Stifts Dietkirchen, diesem Stift zum Heil seiner Seele 8 Schilling Gülte von seinem Eigentum am Hof (‚in allodio suo curtis‘) ‚Delre‘ zur Verteilung unter die Kanoniker vermachte, die bei seinem Leichenbegängnis oder Jahrgedächtnis daselbst zugegen sind. […]
Auch bekunden sie ihre Zustimmung, daß ihr vorgenannter Bruder P(eter) einen Weingarten, den er zu ‚Delre‘ gekauft hat, der Scholasterei in Dietkirchen mit dem vorgenannten Vermächtnis überwies.
– Siegel des Ausstellers Friedrich.
– In Gegenwart Heinrichs, Dekans, Gerhards, Kustos, Ludwigs genannt Pastor, Konrads, Hartmuts, Kanoniker des Stifts Dietkirchen, und anderer. 

Originaldatierung D. et actum apud Ditkirch(en) 1279, in crastino beati Andree apostoli

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 19, Nr. U 4

14. August 1345

Phie von Dehrn (Dirne), Begine zu Limburg, übergibt Abt, Prior und Konvent des Klosters Eberbach zu ihrem Seelenheil ihr Gut, das sie vor vielen Jahren von ihren Ganerben abgeteilt erhalten hat, nämlich ihren Hof zu Ennerich (Endrich) mit dem Zubehör im Dorf und in den Feldern sowie in den Feldern von Lindholzhausen (Holzhausen) und Eschhofen (Ezschirshoven), dazu die Aue unter Runkel und ihren Weingarten zu Dehrn. Sie hat alles zu Ennerich und Dehrn vor den Amtsleuten und Schöffen der Grafschaft Diez im Namen des Klosters dem Bruder Johann von Münzenberg, Meister und Pfleger des Klosterhofs zu Limburg, aufgetragen, wie es in der Grafschaft Diez rechtsüblich ist.

Originaldatierung: 1345 in vigilia assumptionis Marie virginis gloriose

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 19, Nr. U 862 mit Digitalisat
Digitalisat: 
Arcinsys/HHStAW, Bestand 19, Nr. U 862 © 2020 Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden. Alle Rechte vorbehalten.

13. März 1384

Johann von Dehrn (‚Derne‘), Vikar im Stift Dietkirchen, verkauft Herrn Peter Breydenbecher, Kaplan an St. Laurentius auf dem Roßmarkt zu Limburg, und dessen Nachfolgern für eine ihm bezahlte Geldsumme 8 Schilling Limburger Währung und 1 Huhn ewiger Gülte, fällig am 11. November, die ihm von seinem Vater Friedrich von Dehrn angestorben ist und die er mit Halm und Mund, wie in der Grafschaft Diez rechtsüblich, aufgetragen hat, nämlich 4 Schilling und das Huhn von einem Garten an der Brücke zu Dehrn, den jetzt Friedrich Wicker hat, und 4 Schilling von einem Weingarten an dem ‚Kutzsteyne‘ zu Dehrn, den Hermann ‚Tuolere‘ hat. Er gelobt, Jahr und Tag gute Währschaft zu tun, wie es im Lande rechtsüblich ist.
– Siegel des Ausstellers und des Johann von Allendorf (‚Alden-‚), Amtmanns zu Dehrn.

Originaldatierung D. dominica oculi mei 1383 secundum stilum Treverensem

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 40, Nr. U 543

29. Oktober 1386

Wigand Eschenauer, Priester, Vikar im St. Georgenstift zu Limburg, Trierer Diözese, macht, seines Geistes mächtig, aber körperlich ziemlich schwach, die Zukunft bedenkend, weil man nicht weiß, zu welcher Stunde der Herr kommt, um Rechenschaft zu fordern, um seines Seelenheils willen sein Testament. […]
Dem Altar des heiligen Apostels Petrus im Limburger Stift vermacht er: […]
2 Groschen oder Tournosen, die Werner, Mann der ‚Engeldr(ersen)‘, am 29. Juni (‚in festo Petri et Pauli beatorum apostolorum‘) von dem Weingarten an dem ‚Gackenbergere‘ gibt. Er vermacht ferner: dem St. Nikolausaltar im Hospital zu Limburg seinen Weingarten jenseits der Brücke beim Weingarten des ‚Contze Geris(en)‚ mit allen Rechten, Gewohnheiten und Zubehörteilen, der jährlich seinen Zehnten und sonst nichts gibt, sowie sein Brevier; […]

Originaldatierung Acta sunt hec 1386, indictione nona, die mensis Octobris 29., hora vesperarum vel quasi diei eiusdem, subtus novam capellam annexam ecclesie Lympurgensis predicte versus septentrionem, pontificatus sanctissimi in Christo patris ac domini nostri, domini Urbani divina providencia pape sexti anno octavo

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 40, Nr. U 553

02. Juli 1387

Johannes von Attendorn, Kanoniker und Thesaurar des St. Lubentiusstifts zu Dietkirchen, Trierer Diözese, macht – da den Sterblichen nichts sicherer als der Tod und nichts unsicherer als dessen Stunde ist und es sich daher empfiehlt, dem mit guten Werken zuvorzukommen, deren Eigenschaft allein dem Menschen nachfolgt – zu seinem Seelenheil und dem seiner Wohltäter, Vorfahren und aller Gläubigen sein Testament. […]
Zur Unterhaltung von zwei Priestern bewidmet er sie mit folgenden, von ihm gekauften Gütern: […]
1 Malter Korngülte, die Hartmut genannt Poyr und Sophia genannt Poyrs und deren Erben von einem Weingarten von 5 Sadel am Born (’supra fontem‘) gibt; 
Zu der Bruderschaft des Landdekanats Dietkirchen vermacht er 7 1/2 Schilling, die zu Dehrn von den Güterngenannt alte Weingärtenüber dem Born (’supra fontem‘) beim Berg Gyrsberg fallen, damit sie sein Gedächtnis in ihren Gebeten, Vigilien und Messen begeht. […]

– Siegel des Ausstellers und des Herrn Johannes Wynechin, Kantors des Stifts Limburg. 
– Vor Heinrich von Dieblich (‚Deuelych‘), Kanoniker, Ludwig von Limburg, Glöckner zu Dietkirchen, Heinrich genannt Vosseken von Attendorn, einem Verwandten (‚cognato‘) des Ausstellers, Klerikern. 
– Konrad, Pleban der Pfarrkirche zu Montabaur, Trierer Diözese, kaiserlicher Notar, bezeugt seine Anwesenheit und die Niederschrift, die er wegen eigener Geschäfte durch einen andern vornehmen ließ, auf Veranlassung des Testators durch Unterschrift und sein Zeichen.

Originaldatierung:
Acta sunt hec 1387, indictione decima, die Martis mensis Julii secunda, hora primarum vel circa in camera dormitoriali habitacionis mee in Deytkirchen

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 19, Nr. U 79a auch:
Struck, St. Lubentiusstift Dietkirchen, Nr. 141

30. April 1388

Peter von Dehrn und seine Frau Katharina verkaufen Herrn Ludwig Cruse, Vikar des St. Petersaltars im Stift Dietkirchen, und dessen Nachfolgern für 11 schwere Gulden, die dieser ihnen bezahlt hat, 4 Achtel ewiger Korngülte Limburger Maß Sie setzen dafür zu Unterpfand ihren Weingarten von 1 Morgen zu Dehrn ‚in deme Buorngraben under Henne Poyr unde uoff Ensiln von Dyfinbach‘ gelegen. […]
Sie haben dem Käufer die Unterpfänder mit Halm und Mund, wie in der Grafschaft Diez rechtsüblich, aufgetragen.
– Siegel des Johann Frei von Dehrn und Hartrads, Bruders des Ausstellers.

Originaldatierung D. 1388, in vigilia Philippi et Jacobi

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 19, Nr. U 81

Weinbau in neuerer Zeit

Urkundliche Belege über den Weinbau reichen nicht bis in die neuere Zeit. Allerdings gibt das folgende Bild einen detaillierten Blick vom heutigen nördlichen Ortsrand über Dehn nach Dietkirchen.
Hierauf könnte die Darstellung des Bewuchses der steilen Hanglage vor dem Ort im unteren und oberen Drittel Weinstöcke zeigen.

Zum Vergrößern bitte in das Bild klicken.
Blick über Dehrn nach Dietkirchen, um 1815, 
in: Historische Ortsansichten (Stand: 31.7.2007)
© Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde - Alle Rechte vorbehalten

Lokalisierung

Die Lokalisierung der in den voranstellenden Dokumenten genannten Lagen steht erst am Anfang und wird derzeit vorgenommen.

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Titelbild: Schloss Dehrn © 2020 Sonja Schweitzer. Alle Rechte vorbehalten.

 

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