Tradition in steilsten Lagen

Der erste bekannte Hinweis auf Weinbau bei Gutenacker stammt aus dem Jahr 1336, in dem Heyno, Ritter von Lurenburg (Laurenburg) sein Seelgerät in die Klöster Brunnenburg und Arnstein setzt.

Den urkundlichen Nachweis führen wir jedoch erst mit einem Dokument aus dem Jahr 1345.

Erster bekannter Hinweis auf Weinbau bei Gutenacker

25. Januar 1336

Want nit sicher ist, dan der dot, und nit unsicher, dan die jit des dodes, herumme han ich Heyno eyn ritter van Lurenburg und Aled min eliche husfrauwe unser selem heil vorbedacht und han bit gudem sinne und bit gesundem libe, bit willen und verhencnisse Dyderiches minessunes, ritters, Johannis von Langenauwe mines eydems, ritters, und Elsabeth, miner dochter kinde, vor unse selen und Pacen, miner ersten . . husfrauwen, sele unse selgerede gemacht und gesazt, als herna gescriben stet und sal diz unse leste wille sin und bliben. 
Van erst han wyr gesazt und sezzen in das closter zu Brunenburg uf sente Peters und sent Paulis elter zu eyner ewigen missen eynen wingarten an Gudenacker berge, den man nennet Leckebart. […]

Quelle:
Karl Herquet, Urkundenbuch des Prämonstratenserklosters Arnstein an der Lahn, a.a.O., Nr.82, S.79
auch: Arcinsys / HHStAW, Bestand 11, Nr. U 67 d

Karl Herquet gibt uns sein gesamtes Transkript der Quelle zur Kenntnis, leider ohne die Quelle anzuführen. Damit erfahren wir zwar Namen des Weinbergs sowie seine Lage in Gudenacker Berge, allerdings genügt die nicht für einen urkundlichen Nachweis.

Diesen finden wir allerdings in einem 9 Jahre jüngeren Dokument aus dem Jahr 1345.


Erster bekannter urkundlicher Nachweis

25. Januar 1345

Knappe Johann Dagsterre von Lorch und seine Frau Elisabeth, beider Tochter Luce und deren Mann Knappe Dietrich von Langenbach verkaufen für 340 Mark dem Kloster Arnstein (Abt Wilhelm) alle ihre Güter im Kirchspiel Esten, zu Laurenburg, Horhausen, Langenscheid, Scheid, ferner einen Weingarten zu Weinähr (Anre), desgleichen am Gutenackerer Berge und eine Wiese zu Diez.

Originaldatierung: G. 1345 in convers. s. Pauli

Quelle: Arcinsys / HHStAW, Bestand 11, Nr. U 91 d
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HHStAW, Bestand 11, Nr. U 91 d
© Hessisches Hauptstaatsarchivs Wiesbaden. Alle Rechte vorbehalten.

Weitere Informationen zum Weinbau bei Weinähr (Anre) erhalten Sie über die Verlinkung.


Weitere urkundliche Nachweise

05. August 1346

Ritter Hermann genannt Hube und seine Frau Nese verkaufen dem Kloster Arnstein (Abt Wilhelm) ihren Weingarten ‚an Guodenacker berge‚ genannt ‚der vuerter‚ nebst Zugehörungen für 28 Weißpfennig Limburgisch, ferner ihren Anteil an der langen Wiese zu Diez ‚uf der Anre‘ für 6 Mark.

Originaldatierung: G. 1346 sabbato post festum sancti Petri ad vincula

Quelle: Arcinsys / HHStAW, Bestand 11, Nr. U 94 b
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HHStAW, Bestand 11, Nr. U 94 b
© Hessisches Hauptstaatsarchivs Wiesbaden. Alle Rechte vorbehalten.

19. April 1355

Herman von Cluppil von Lurenburg und seine Frau Grete bekennen, daß das Kloster Arnstein (Abt Wilhelm) ihnen einen Weingarten ‚an Gudinackis berge‘ genannt ‚der vurtir‘ auf Lebenszeit gegen Abgabe des dritten Teils vom Ertrag und des Zehnten verpachtet habe.

Originaldatierung: G. 1355 dominica secunda post pascha

Quelle: Arcinsys / HHStAW, Bestand 11, Nr. U 130 a
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HHStAW, Bestand 11, Nr. U 130 a
© Hessisches Hauptstaatsarchivs Wiesbaden. Alle Rechte vorbehalten.

11. November 1492

Die Eheleute Heinrich Niengel zu Brunenbach nehmen von dem Abte Adam namens des Klosters Arnstein einen in den Gutenackerer Bergen belegenen benannten Weinberg gegen einen Kanon von jährlich 4 Weißpfennigen in Erbpacht und setzen dafür ihr gesamtes Vermögen zum Unterpfande.

Originaldatierung: G. uff sant Mertins tag des heilgen bischoffs 1492

Quelle: Arcinsys / HHStAW, Bestand 11, Nr. U 603

Lokalisierung

Eine Lokalisierung der vorgenannten Weingärten lässt sich bisher nur vage vornehmen.
Wenngleich die heutigen Fluren 17 Am Wingertsberg und 23 Wingertsberg der Ortsgemeinde Gutenacker eindeutig auf vergangenen Weinbau hinweisen, bedarf es zur Ermittlung der genauen Lage weiterer Untersuchungen und Ortsbegehungen.
Dabei sollten auch die Südhänge des ostwärts anschließenden Ginsterbergs des in Richtung Rupbach verlaufenden Taleinschnitts Im Bornsgraben (Flur 24) begangen werden.

ZUM VERGRÖSSERN IN DAS BILD KLICKE
Ortsgemeinde Gutenacker Flur 17 'Am Wingertsberg' und Flur 23 'Wingertsberg'
 © 2019 LVermGeo / Geoportal Rheinland-Pfalz

Einzelheiten werden dann in den Einzelbeiträgen zu den ehemaligen Lagen Leckebart und Der Veurter dargelegt.


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