Tradition in steilsten Lagen

Den ersten bekannten Hinweis auf Weinbau am Dirsteiner Berg bei Aull, auch Dierster Berg (1506) bzw. Derster Berg (1509) genannt, erhalten wir bereits 1315, wenngleich der erste urkundliche Nachweis mit der Namensnennung erst 1471 geführt werden kann.

Zweifelsfrei wird die frühere Bezeichnung durch die heutige Benennung der Flur 8 zu Aull Auf dem Dürrsteiner Kopf tradiert.
Hierbei ist das vormalige, auf der linken Lahnseite gelegene Benediktinerinnenklosters Dürrstein*, später Dyrsteyn (1347) bzw. Dirstein, Namenspatron.

* vgl.
Dr. Weniger, Geschichte des Schlosses Oranienstein vormals Kloster Dirstein, a.a.O., S. 7f

Erster bekannter Hinweis auf Weinbau am Dirsteiner Berg

3. November 1315

Ritter Otto von Breisig (‚Briseche‘) und seine Frau Trude gestatten dem Heinrich von Aull (‚Awele‘) genannt vom Fischteich (‚de piscina‘) und seiner Frau Adelheid, einen Weingarten von etwa 1 1/2 Malter, bei Dirstein in der Nähe der Weingärten der Mönche (‚monachorum‘) gelegen, den jener von ihnen gegen einen eigenen Zins von 18 Pfennig und zwei Hühnern, fällig zum 11. November, innehat und den der Großvater des Ausstellers von dem + Ritter Hermann genannt Kesselhut gekauft hat, dem Cunemann, Kantor des Limburger Stifts, für 12 Mark zu verkaufen, unbeschadet jenes nunmehr vom Käufer zu entrichtenden Zinses.

Quelle: 
Arcinsys/HHStAW, Bestand 40, Nr. U 74

Es darf davon ausgegangen werden, dass mit den angegebenen Weingärten der Mönche (monachorum) jene des Nonnenklosters Dirstein – am Dirsteiner Berg – gemeint waren. Ein Mönchskloster gleichen Namens ist nämlich nicht bekannt.

Nach heutigem Kenntnisstand wird damit erstmals Weinbau am heutigen Dürrsteiner Kopf (Dirsteiner Berg) verzeichnet. 
Jener Weingarten des Ritters Otto von Breisig lag demnach am Hang des heutigen Roedelberges.


Weitere Hinweise

30. Dezember 1347

Hermann, Herr von Helfenstein, genehmigt um der Dienste willen, die Markolf, Sohn des Herrn Otto von Diez, sein lieber Getreuer, ihm getan hat und tun mag, daß dieser Herrn Konrad, Dekan zu Diez, 5 Mark mit den zugehörigen Gänsen und Hühnern, die im Dorf Aull (‚Auwele‘) fallen und die er von dem Aussteller zu Lehen hatte, für eigen verkauft hat. Markolf hat die Gülte widerlegt mit 2 Morgen Weingarten am Weingarten des Klosters Dirstein ‚an der nydersiiten geyn Dyrsteynre vare geyn Auwele‘; er hat sie dem Aussteller aufgegeben und wieder zu Lehen empfangen.

– Siegel des Ausstellers.

Originaldatierung:
D. 1347, dominica die proxima post festum nativitatis eiusdem

Quelle: 
Arcinsys/HHStAW, Bestand 20, Nr. U 55

Auch gibt die Beschreibung der Lage des besagten Weinberges am Roedelberg den Hinweis auf Weingärten lahnaufwärts der Fährstelle (vare) und damit am Dirsteiner Berg.

Weitere Einzelheiten dazu finden Sie hier.


14. November 1429

Johann, Herr zu Helfenstein, Erbmarschall des Trierer Stifts, bekundet seine Zustimmung dazu, daß Emmerich ‚Rudil‘ von Reifenberg den Weingarten, den er von dem Aussteller zu Lehen hat, an der Überfahrt (‚deme fare‘) zu Dirstein bei dem Weingarten des Klosters Dirstein gelegen, der Meisterin (‚myner frauwen‘) und dem Konvent zu Dirstein im Tausch gegen einen Weingarten zu Aull (‚Auwil‘), den man ‚den Heynen‚ nennt, gegeben hat. Meisterin und Konvent sollen jenen Weingarten ewig und erblich wie ihr übriges Eigen besitzen. Sie sollen jährlich dem Pfarrer auf dem St. Petersberg davon die Weingülte, genannt Seelwein, entrichten, die auf dem vorgenannten, vom Kloster abgegebenen Weingarten ruhte.

Originaldatierung: D. 1429, secunda feria post festum sancti Martini episcopi

Quelle: 
Arcinsys/HHStAW, Bestand 21, Nr. U 49

15. November 1429

Jutta von Monreal, Meisterin des Klosters Dirstein, und der Konvent daselbst bekunden einen Tauschvertrag (‚eynen kuyt‘) mit Emmerich ‚Rudel‘ von Reifenberg. Sie haben ihm zwei Striche Weingarten zu Aull (‚Auwil‘) bei dem (‚der‘) Bach mit dem ‚Heynen‘ gegeben gegen seinen Weingarten, der bei der Überfahrt (‚gen deme fare‘) zu Dirstein unten an ihrem großen Weingarten liegt und von Johann, Herrn zu Helfenstein, zu Lehen gerührt hat. Sie sollen alle Wein- oder Geldgülten entrichten, die auf dem vorgenannten Weingarten gestanden haben, den man den ‚Heynen‚ nennt.

Originaldatierung: (D. 1)429, (terci)a feria post festum sancti Martini episcopi

Quelle: 
Arcinsys/HHStAW, Bestand 21, Nr. U 50

In beiden vorgenannten Dokumenten wird wiederum nur indirekt auf den Dirsteiner Berg verwiesen, indem zur Lokalisierung des anderen Weingartens jener als bei dem Weingarten des Klosters Dirstein gelegen bzw. an ihrem großen Weingarten liegend bezeichnet wird.


Allen früheren Dokumenten ist gleich, dass diese Ortsangaben dem namentlichen Nachweis nicht genügen.

Dies gelingt erst mit der Nennung des Dirsteiner Berges im Zusammenhang mit Weinbau in folgenden Dokument.


Erster bekannter urkundlicher Nachweis

14. März 1471

Elisabeth Beyer von Boppard (Äbtissin) und der Konvent des Klosters Dirstein verleihen ihren großen Weingarten oberhalb Aull (‚Auwel‘), genannt der Dirsteiner Berg, ganz und gar bis an den ‚Schiillynck‘ den Bauern (‚luden unde nakeberen‘) zu Aull, die daraus 23 Teile gemacht haben, gegen den halben Ertrag. Sie sollen die Teile in gutem Bau und unverwüstet halten und den halben Ertrag jeder im Herbst mit dem Legel (‚lyele‘) in den Weingärten geben. Dazu sollen sie des Klosters Kellner oder Diener rufen, der berechtigt ist, unter den zwei Legeln eins zu wählen. Die Aussteller haben den Bauern das kleine Teilchen, das jedem in dem ‚Eltefael‘ zuteil wurde, überlassen, ohne daß sie dem Kloster oder sonst jemand davon etwas geben. Auch haben die Aussteller ihnen die Weiden, die am Weingarten herabgehen, gelassen, soweit die Weingärten unten wenden bis an den ‚Schiillingspaet‘ und an das Ackerstück (‚artstuck‘). Sie sollen die Weiden nicht weiter heraussetzen. Ebenso sollen ihnen die Weiden auf der andern Seite bei der Lahn, die um das Ackerstück stehen, gehören bis an das Heiligenhaus, wo der Pfad und die Straße zusammenstoßen. Sie sollen auch auf dieser Seite die Weiden nicht tiefer in das Ackerstück setzen, als wie sie es jetzt vorfinden. Ferner überlassen die Aussteller den Bauern ihren Schafsmist aus dem Schafstall zu Gückingen. Der Hofmann dieses Hofes soll ihnen den Mist auf die Weingärten fahren. Sie sollen ihm laden helfen und dessen Pferden, solange er fährt, täglich ein Achtel Hafer geben. Jeder (‚iglich erbe‘) soll jährlich 2 Fuder Mist aus seinem Hof auf eigene Kosten in seinen Teil des Weingartens legen und jedem Stock seine gebührende Menge geben. Die Aussteller sollen es jährlich besichtigen. Wer dann in der Mistung säumig erfunden wird, soll in dem Jahre die Ernte (‚die schare‘) verloren haben. Die Bauern sollen nur mit Willen eines Klosterknechts lesen oder füllen und auch nur mit dessen Einverständnis das Lesen unterbrechen.

– Vermittler des Vertrags und Weinkaufsleute: Henn Rickel, Kellner zu Diez, und Henne Meckel von Aull, Schöffe zu Diez.

– Die Verleihung geschieht mit Einwilligung des Herrn Johann, Abts von St. Mathias zu Trier.

Quelle: 
Arcinsys/HHStAW, Bestand 21, Nr. U 58 a

Inhaltlich gibt uns das Dokument einen seltenen Einblick in das Wirtschafts- und Geschäftsgebaren dieser Zeit:

Wir erfahren, dass das Kloster seine gesamte Weinanbaufläche in 23 Teile geteilt und jedem Bauern zu Aull einen Teil zur eigenständigen Bewirtschaftung übergibt.
Dafür erhält das Kloster von ihnen jährlich den halben Ertrag.
Zudem werden detailliert Regeln für die Bewirtschaftung sowie die Folgen bei deren Nichtbeachtung dokumentiert.

Lokalisierung

Dieses Dokument benennt Ort (Dirsteiner Berg) des Weingartens und dessen Lage lahnaufwärts (oberhalb) Aull. Daraus lässt sich seine Lage im Bereich der heute sogenannten Flur 8 zu Aull Auf dem Dürrsteiner Kopf zweifelsfrei ableiten.

Zudem werden detailliert Regeln zur Bewirtschaftung sowie die Folgen bei deren Nichtbeachtung dokumentiert.
Dies gibt uns einen seltenen Einblick in das Wirtschafts- und Geschäftsgebaren dieser Zeit.


Weitere Nachweise

27. Juli 1506

35 Jahre später bekunden die Nachbaren zu Aull (‚Auwell‘) in der folgenden verlenong des wyngarts im Dierster berg ,

… daß sie vom Kloster Dirstein (‚Dersten‘) dessen großen Weingarten oberhalb von Aull, genannt der Dirsteiner (‚Derster‘) Berg, bis an den ‚Schillinck‘, woraus sie 23 Teile gemacht haben, erblich und ewig gegen den halben Ertrag erhalten haben.

Originaldatierung: 1506, uff mandag nehest naich sent Jacobs dag deß heylligen appostelen

Quelle: 
Arcinsys/HHStAW, Bestand 21, Nr. U 72

Topografie

TBD
Ehem. Weinbergslage am Dirsteiner Berg
Ehem. Weinbergslage am Dirsteiner Berg 
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