Tradition in steilsten Lagen

Freiendiez

 

Seiten: 1 2

15. APRIL 1379

Markolf von Cleeberg, Ritter, und seine Frau Ignant verkaufen der Äbtissin und dem Konvent des Klosters Bärbach (‚in der Berp-‚) für 195 schwere Gulden von Florenz, die diese ihnen bezahlt haben, ihre Weingärten an dem Berg, genannt der Slefir, bei Freiendiez, bei dem Kloster zu Eberbach (‚von Erbach‘) gelegen und 5 Sadel haltend, und 30 Morgen eigenes Ackerland auf Freiendiezer Feld zu Eigengut, nämlich:
Zuo dem eirsten uff dem velde uff der abirwesin 3 m. uff frauowen vir Guten.
Item 1 m. undir dem kalgabin [= Kalkofen ?].
Item in dem boden undir frauwen Guoten 1/2 m. Item 1/2 m. undir Hinrich von Nassauowe, der stoßit an dye abirwesen.
Item undir Limpurger pade 2 m., dye scheyden Hartmuode und dye von Dyersteyn.
Item 1 m. undir Grebenborne, der auch liit undir frauwen Guden.
Item 1 m. zu Welgen, eyn anwendir.
Item andirwert undir Zailbach 1 m. andirsiit dez graben.
Item daz Undirvelt: zuo dem eirsten 3 m. uff Kuonenbettir velt, dye stoßen in Huolczheimer velt unde stoßen uff frauwen vir Guoten.
Item 2 m. uff den von Dyerstein.
Item in der Kuolsbach 1 m. uff Hinrich von Zailbach.
Item vor Huodis grosse stuocke 1/2 m.
Item 1 m. uff Wernher von Dyecz. Item 1/2 m. undir frauwen vir Guten.
Item 1 sd. bye dem floße in Kuonenbettir auwe.
Item 1/2 m. uff Daisbechir graben an Speilhuosir.
Item 2 m. an dem Bosinhelder weg. Item 1/2 m. an demselben.
Item Heymel 1 m.
Item daz dritte velt: zuo dem eirsten uff Voykirs velde 3 sd. in Daisbechir graben.
Item 1 m., der liit uff Hinczen von Zailbach.
Item 1/2 m., der stoßit zuo Hasilczippe.
Item 1 m. by frauwen vir Guten auoch an demselben velde.
Item 1/2 m. bye Nyeclaus by Dierstein.
Item 1 m. an Wesillattir pade an frauwen vir Guoten. Item 1 m. bye Wesillatte. Item 3 sd. hindir der hecken uff demselben velde.
Item 1 m. undir frauowen vir Guoten uff demselben velde. Item 1 sd. in der mittilsten liecht.
Item 1 sd. in dem Daisbechir graben

Die Aussteller haben die Weingärten und den Acker dem Kloster vor dem Gericht zu Freiendiez mit Halm und Mund aufgegeben, wie in der Grafschaft Diez rechtsüblich. 

Es siegeln der Aussteller, Graf Gerhard von Diez und die Herren Rorich Muckil von Laurenburg und Emmerich Rödel (‚Rudil‘) der Alte von Reifenberg.

Originaldatierung: D. 1379, feria sexta post pascha

Quelle: Arcinsys Hessen / HHStAW, Bestand 12, Nr. U 63
auch: Arcinsys Hessen / HHStAW, Bestand 12, Nr. U 244

Die im Dokument benannten Lagebezeichnungen – wenngleich auch nicht alle im Zusammenhang mit Weinbau – können teilweise wie folgt identifiziert und lokalisiert werden:
der slefir: Der Schläfer;
– abirwesin
– kalgabin
– in dem boden
– Limburger Pade: Limburger Straße;
– Grebenborn
– Welgen
– undir ZailbachIn der Zahlbach;
– Undirvelt: Unterfeld (?)
– Kuonenbettir velt
– Kuonenbettir auwe: bei dem dabei genannten floße [Fluss] ist vermutlich der Bach Aar gemeint;
– Huolczheimer velt: Holzheimer Feld;
– Kuolsbach: In der Kolzbach (Diez, Flur 39);
– Daisbechir grabenAm Dörsbachgraben (Diez, Flur 47);
– an Speilhuosir
– Bosinhelder weg
– Hasilczippe
– Wesillattir
– Wesillattir pade


22. Januar 1406

Henne von Zahlbach (‚Tzail-‚), Schultheiß zu Freiendiez, und seine Frau Fye verkaufen dem Dekan, Kapitel und Vikaren des Marienstifts zu Diez zur Präsenz für 18 Gulden guter Limburger Währung, die diese ihnen bezahlt haben, 1 Malter ewiger Korngülte Diezer Maß, die sie jährlich zwischen dem 15. August und 8. September trocken und gut nach Diez auf ein ihnen angewiesenes Haus auf eigene Kosten und Gefahr liefern sollen. Sie setzen dafür zu Unterpfand folgende Güter, die sie dem Stift mit Halm und Mund vor Heimbürgen und Nachbaren in den Gerichten, wo die Güter liegen, wie in der Grafschaft Diez rechtsüblich, aufgetragen haben: 1/2 Morgen Weingarten an Spilhusers Weingarten, der dem Grafen zu Diez 1 Schilling Pfennig und Werner Köth 1 Tournosen zinst; 1/2 Morgen Weingarten am Weingarten der Rumpin ‚gen dem dorffe an Dyrster pade‚, welcher der Kirche zu Freiendiez St. Jakob jährlich 2 Tournosen zinst; […].
– Wegen Siegelmangels der Aussteller siegeln die Junker Wilderich von Walderdorf und Markolf Rödel von Reifenberg, Edelknechte.

Originaldatierung: D. ipso die Vincencii martiris 1405 secundum stilum Treverensem

Quelle: Arcinsys Hessen / HHStAW, Bestand 20, Nr. U 114

Beide genannten Ortsbezeichnungen konnten noch nicht gesichert identifiziert und lokalisiert werden.
Der Hinweis ‚gen dem dorffe an Dyrster pade‘ kann als ‚Richtung Dorf  [Freiendiez?] am Dirsteiner Weg‘ gedeutet werden und ließe schlussfolgern, dass der Weinberg in der Südhanglage des heutigen Wohngebietes „Auf der Wacht“ verortet werden kann.


22. Januar 1424

Heinrich von Lich und seine Frau Gertrud, wohnhaft zu Freiendiez, verkaufen dem Dekan, Kapitel und den Vikaren des Liebfrauenstifts zu Diez zur Präsenz für 9 Gulden Limburger Währung, die diese ihnen bezahlt haben, 1/2 Malter ewiger Korngülte Diezer Maß, die sie jährlich trocken und gut zwischen dem 15. August und 8. September nach Diez auf ein Haus, wohin sie vom Präsenzmeister gewiesen werden, auf eigene Kosten und Gefahr entrichten sollen. Sie setzen dafür zu Unterpfand 1/2 Morgen Weingarten, der an dem Hubenrißer zwischen Contze Mule und Elchen von Zahlbach liegt und 2 Tournosen am 11. November in die Präsenz zu Limburg zinst, ferner 3 Sadel Weingarten, die an dem ‚Haynberge‘ liegen und zu Lätare (‚halphfasten‘) den Herren zu Diez auf die Burg 2 1/2 Tournosen weniger 1 Heller zinsen. Sie haben diese Güter vor Schultheiß und Nachbaren in den Gerichten, wo die Güter liegen, wie in der Grafschaft Diez rechtsüblich, aufgegeben. Halten sie die Güter nicht baulich und versäumen die Gültleistung, so kann das Stift die Unterpfänder mit oder ohne Gericht einziehen (‚uffholen‘) oder sich von dem Schultheißen mit 1 Schilling Pfennig an den Gütern Recht zusprechen lassen, als ob sie drei Tage und sechs Wochen dieselben ausgeklagt hätten. – Siegel des Edelknechts Junkers Otto von Diez.

Quelle: Arcinsys Hessen / HHStAW, Bestand 20, Nr. U 134

LETZTE BEKANNTE ERWÄHNUNG VON WEINBAU zu Freiendiez

16. Jahrhundert

Johann Hermann Steubing weist in seiner Topographie der Stadt und Grafschaft Diez auf Seite 209 darauf hin, dass

Nahe an Freyendietz war noch im 16ten Jahrhundert eine Clause. […]
Die Claude hatte zum Altargeleuchte 12 Alb. 15 Malter Korn , 7 f. an Geld, 3 Sadeln Weingarten und 2 Gärtchen.

In §. 20. Allerlei örtliche Merkwürdigkeiten aus der letzten Hälfte des 16. Jahrhunderts nennt er zahlreiche Orte im Zusammenhang mit Weinbau.

So auch Freiendiez und den Schläfer zu Diez:

In Freiendiez ließ man mehrere Weinberge ausgehen, um dort Obst anzubauen. […]

Im Schläfer zu Diez wurde Wein angebaut.

Quelle:
Johann Herrmann Steubing, Topographie der Stadt und Graffschaft Dietz, a.a.O., S.287 

Wenngleich J. H. Steubing den Schläfer der Stadt Diez zuordnet, so liegt er doch tatsächlich in der Gemarkung Freiendiez.
Damit darf diese Erwähnung auch als letzte bekannte für dortigen Weinbau genügen.


LOKALISIERUNG

Die kartografische Zuordnung der insbesondere im Dokument aus dem Jahr 1379 (HHStAW, 12, Nr. U 244, 1379) benannten Lagen zu Freiendiez steht erst am Anfang.

Ob und an welchen weiteren Hanglagen Weinbau betrieben wurde – wie zum Beispiel bei Freiendiez in der heute In den Weinbergen benannte Südlage der Diezer Flur 39 – gilt es ebenso noch weiter zu untersuchen.

Seiten:  1  2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert