Tradition in steilsten Lagen

Der Schläfer (auch: Slefir 1379, Slefer 1403, Sleffer 1480, Schleffer 1506) wird im Zusammenhang mit Weinbau erstmals 1354 in einer Urkunde als Slefere genannter Berg erwähnt.

Erster bekannter urkundlicher Nachweis von Weinbau im Schläfer

30. Dezember 1354

Johann Grosze macht sein Testament und vermacht alle seine Güter zu Neuenhausen im und beim Dorf an den Remigiusaltar auf der Burg zu Diez, einen Morgen von seinem Weinberg anme Slefere gegen Diez zu an der Bach demselben Altar, ebenso eine Rente zu Weiler mit Bestimmungen über die Auszahlung der Erträge durch den Altaristen an die Stiftspräsenz zu Diez bei Gelegenheit seines und seiner Angehörigen Jahrgedächtnisses; er vermacht ferner all seine Rüstungen (al myn iseren, daz zu myme lybe gehort) der Stiftspräsenz zu Diez, den einmaligen Jahresertrag aller seiner Güter zur Anschaffung von Meßgewand, -kelch und -büchern für den genannten Altar, bestimmt zum zukünftigen Altaristen den Sohn des Johann von Klingelbach, oder wenn dieser keinen bekommt, den der Lyse von Habenscheid, oder falls auch diese keinen hätte, den, von Johann von Habenscheid und von Johann von Klingelbach übereinstimmend dem Grafen von Diez präsentierten Geistlichen.
– Siegler: 1. der Aussteller, 2. Graf Gerhard von Diez, 3. Gräfin Jutta von Diez, 4. Markolf Rodel von Reiffenberg, 5. Johann von Habenscheid, 6. Johann von Klingelbach.

Quelle: 
Arcinsys/HHStAW, Bestand 170 I, Nr. U 471

 


Weitere Erwähnungen

15. April 1379

Markolf von Cleeberg, Ritter, und seine Frau Ignant verkaufen der Äbtissin und dem Konvent des Klosters Bärbach (‚in der Berp-‚) für 195 schwere Gulden von Florenz, die diese ihnen bezahlt haben, ihre Weingärten an dem Berg, genannt der ‚Slefir‘, bei Freiendiez, bei dem Kloster zu Eberbach (‚von Erbach‘) gelegen und 5 Sadel haltend, und 30 Morgen eigenes Ackerland auf Freiendiezer Feld zu Eigengut, nämlich: ‚Zuo dem eirsten uff dem velde uff der abirwesin 3 m. uff frauowen vir Guten. Item 1 m. undir dem kalgabin. Item in dem boden undir frauwen Guoten 1/2 m. Item 1/2 m. undir Hinrich von Nassauowe, der stoßit an dye abirwesen. Item undir Limpurger pade 2 m., dye scheyden Hartmuode und dye von Dyersteyn. Item 1 m. undir Grebenborne, der auch liit undir frauwen Guden. Item 1 m. zu Welgen, eyn anwendir. Item andirwert undir Zailbach 1 m. andirsiit dez graben. Item daz Undirvelt: zuo dem eirsten 3 m. uff Kuonenbettir velt, dye stoßen in Huolczheimer velt unde stoßen uff frauwen vir Guoten. Item 2 m. uff den von Dyerstein. Item in der Kuolsbach 1 m. uff Hinrich von Zailbach. Item vor Huodis grosse stuocke 1/2 m. Item 1 m. uff Wernher von Dyecz. Item 1/2 m. undir frauwen vir Guten. Item 1 sd. bye dem floße in Kuonenbettir auwe. Item 1/2 m. uff Daisbechir graben an Speilhuosir. Item 2 m. an dem Bosinhelder weg. Item 1/2 m. an demselben. Item Heymel 1 m. Item daz dritte velt: zuo dem eirsten uff Voykirs velde 3 sd. in Daisbechir graben. Item 1 m., der liit uff Hinczen von Zailbach. Item 1/2 m., der stoßit zuo Hasilczippe. Item 1 m. by frauwen vir Guten auoch an demselben velde. Item 1/2 m. bye Nyeclaus by Dierstein. Item 1 m. an Wesillattir pade an frauwen vir Guoten. Item 1 m. bye Wesillatte. Item 3 sd. hindir der hecken uff demselben velde. Item 1 m. undir frauowen vir Guoten uff demselben velde. Item 1 sd. in der mittilsten liecht. Item 1 sd. in dem Daisbechir graben‚.
Die Aussteller haben die Weingärten und den Acker dem Kloster vor dem Gericht zu Freiendiez mit Halm und Mund aufgegeben, wie in der Grafschaft Diez rechtsüblich.
– Es siegeln der Aussteller, Graf Gerhard von Diez und die Herren Rorich Muckil von Laurenburg und Emmerich Rödel (‚Rudil‘) der Alte von Reifenberg.

Originaldatierung: D. 1379, feria sexta post pascha

Quelle: 
Arcinsys/HHStAW, Bestand 12, Nr. U 63 auch:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 12, Nr. U 244

Bedauerlicherweise werden nur die einzelnen Flächen der 30 Morgen Ackerland mit der namentlichen Nennung ihrer Lage genau bezeichnet.
Die Gesamtgröße der Weinberge ist nicht angegeben. Wir erfahren allerdings, dass Markolf von Cleeberg und seine Frau davon 5 Sadel selbst halten und können daraus schließen, dass die übrigen Weinbauflächen offensichtlich verpachtet sind.

Die Lagebezeichnung bei dem des Klosters zu Eberbach (‚von Erbach‘) gelegen weist aber darauf hin, dass die gesamten Weinberge wohl räumlich zusammen lagen. Da aber Hinweise zu jenen des Klosters Eberbach auch nicht bekannt sind, ist eine Identifizierung ihrer Lage bisher nicht möglich.

Weitere Überlegungen dazu finden Sie im Abschnitt Lokalisierung am Ende dieses Beitrags.


04. September 1403

Reinbolt von Merenberg und seine Töchter Lysa und Anna geben der Meisterin und dem Konvent zu Bärbach („zu der Berp-„) vom St. Klarenorden 1/2 Morgen Weingarten „an dem Slefer“ bei Diez zwischen den Ausstellern und Markolf Rödel. Sie haben ihn mit Halm und Mund aufgetragen vor Henne von „Zailbach“, Schultheiß zu Freiendiez, und den Nachbarn daselbst, wie in der Grafschaft Diez rechtsüblich. Das Kloster soll ihrer und ihrer Eltern Seelen mit frommen („gotlichen“) Werken gedenken und ihre Jahrzeit, wie dort üblich, begehen.

– Es siegeln der Aussteller und für seine beiden Töchter deren Schwager und Vetter Ludwig von Ottenstein und Markolf Rödel von Reifenberg.

Originaldatierung: D. 3. feria post Egidii abbatis 1403

Quelle: 
Arcinsys/HHStAW, Bestand 12, Nr. U 99

1480

Im Zinsregister des Klosters Bärbach von 1480 finden wir zu 16. Dale Diez zahlreiche Pachten, u.a. von 2 Weingärten:

Jacob Birlemach gibt jars 4 wißpen. uß gym wingarten im Conraitsteyn oben Widder Michels kynde unde Lewenberg auch oben daran. – […]

Gelen Heyncze unde sin erben geben Jahrs 30 Alb. Limburger weronge von dem Wingert in dem Sleffer, der der jonffr(auwen) eigen ist, gelegen an der Erbrechern, […] .

Quelle: 
Arcinsys/HHStAW, Bestand 12, Nr. U 191
auch:
Wolf Heino Struck, Das Klarissenkloster Bärbach, a.a.O., Nr. 231, S. 96

Es ist nicht auszuschließen, dass es sich bei dem im Schläfer benannten Wingert um jenen handelt, den Markolf von Cleeberg, Ritter, und seine Frau Ignant 1379 der Äbtissin und dem Konvent des Klosters Bärbach verkauft haben. Beide Male werden sie zur Lokalisierung an dem Weinberg des Klosters E(be)rbach gelegen bezeichnet.


06. Mai 1457

Ännchen (‚Ennegin‘), Witwe des Emmerich von Nassau, ihre Söhne Heinrich und Emmerich und ihre Tochter Ännchen verkaufen Herrn Peter Lorbecher, Dekan zu Diez, dessen Erben oder dem, der mit dessen Willen Inhaber dieser Urkunde ist, für 60 schwere rheinische Guldenb, wie zu Limburg gang und gäbe, 2 1/2 Malter Korngülte Diezer Maß, die sie jährlich nach Diez zwischen dem 15. August und 8. September auf eigene Kosten und Gefahr entrichten sollen. Sie setzen dafür zu Unterpfand: ihre Wiese zu ‚Conebette‘ bei dem Wege unter der Wiese von Mecze von Diez; ihre Wiese zu ‚Irlebach‘, die halb Gerhard Fole gehört und von der ihre Hälfte 10 1/2 Tournosen am 11. November zinst; ihren Weingarten von 1 Morgen am ‚Slefir‘ zwischen Gerhard Fole und Dyle Prediger; ihren Garten nach Seelhofen zu (‚zo Selehoben us‘) neben Henne Webir, genannt der Kappesgarten, den sie von Henne Krae gekauft haben. Sie haben diese Unterpfänder, die Eigen sind und niemandem zinsen, aufgegeben vor Dyle von Wiesenfeld (‚Wesenfelt‘) und Hermann Mey, Schultheißen zu Diez, Hans Smede und Conczgin Weyner, Schöffen daselbst, die darüber Zeugnis (‚urkunde‘) empfangen haben, wie in der Grafschaft Diez rechtsüblich. Der Wiederkauf ist gegen die Kaufsumme gestattet.

– Siegel der vorgenannten Witwe Ännchen, ihres Sohnes Heinrich von Nassau und des Ritters Daniel von Mudersbach des Jungen, der zugleich mit seiner Frau Gutgin von Nassau seine Einwilligung bekundet.

Originaldatierung: 
D. ipso die beati Johannis apostoli ante portam latinam 1457

Quelle: 
Arcinsys/HHStAW, Bestand 20, Nr. U 158

1506

Eptissin und convent zu Berbach verleihen iren weingartt(en) zu Freiendietz, der Schleffer genannt, Werner Kotten, Gred(en), seiner haußfrawen, Pettern Schmidt, Elßgin, seiner haußfrawen, und Ditterich Schmidt, Gerdraut(en), seiner haußfrawen, umb 30 weißpf. Limpurger werunge ewiger gulde, jerlich uff Martini fallendt‘.

Quelle: 
Arcinsys/HHStAW, Bestand 12, Nr. U 243

LETZTE BEKANNTE ERWÄHNUNG VON WEINBAU am Schläfer

Johann Hermann Steubing nennt in seiner Topographie der Stadt und Grafschaft Diez zweiten Abschnitt §.11 Stadtumgebungen. und im §. 20. Allerlei örtliche Merkwürdigkeiten aus der letzten Hälfte des 16. Jahrhunderts zahlreiche Orte im Zusammenhang mit Weinbau. So auch der Schläfer – diesen weist er aber Diez zugehörend aus.

1667

Sind die wenigen Gärten und Aecker welche sich um sie befinden, da das städtische Territorium sogar enge und klein ist. Ihr Alles sind folgende kleine Felder: der Zinger oder Zwinger, der Schläfer in welchem in alten Zeiten ein Wein gezogen wurde, der dieser kleinen Gegend den Nahmen gab, die Au und das Silber- oder Seelenhofer Feld.
Ein einziger Weinberg (deren sonst mehrere waren) von 2 Morgen 8o Ruthen ist am Eingange in die Stadt noch vorhanden, wird wohl gehalten und gibt einen vortrefflichen rothen Wein.
An der ganzen Lahn hinab taugt der weisse nicht viel.

Im Schläfere zu Dietz war auch ein Wingert.

Quelle:
Topographie der Stadt und Graffschaft Dietz, a.a.O., S. 288 (§20)
auch Google Books:
Johann Herrmann Steubing,Topographie der Stadt und Herrschaft Dietz

Aus Steubings erster Angabe, wonach im Schläfer in alten Zeiten ein Wein gezogen wurde lässt sich lediglich schliessen, dass zur Zeit seiner Stadt-Inspektion dort kein Weinbau mehr betrieben wurde – sein angelegtes zeitliches Maß für seine Angabe in alten Zeiten ist leider nicht erkennbar.

Den von Steubing am Eingange in die Stadt noch vorhandene Weinberg von 2 Morgen 8o Ruthen ordnen wir auch unter Berücksichtigung von Steubings Sprachstil den von ihm genannten am Silber- / Seelenhofer Feld gelegen zu, zumal auch an anderer Stelle dort ein Weinberg verbrieft ist.

 

Einzelheiten dazu finden Sie über die (noch einzufügende) Verlinkung.


Lokalisierung

Die kartografische Zuordnung der insbesondere im Dokument aus dem Jahr 1379 (HHStAW, 12, Nr. U 244) benannten Lagen steht erst am Anfang.
Sicher erscheint, dass der dort Slefere, im Späteren auch Slefir, Slefer, Sleffer bzw. Schleffer – abgeleitet aus ahd. abschüssig, geneigt – genannte Berg dem heutigen Wohngebiet Schläfer den Namen gab.

Insofern wird J. H. Steubings Schlussfolgerung, dass der dort angebaute Wein dem Gebiet den Namen gab, in Zweifel gezogen.

Wegen seiner Nordexposition wurde das Gebiet des Schläfers aber kaum in seinen jetzigen Grenzen als Weinanbaufläche genutzt.

Lediglich der Bereich der heutigen Straße In der Zahlbach im Südosten des Wohngebiets zeigt eine nordwestlich exponierte Lage, ein westlich anschließender Grabeneinschnitt eine nach leicht Westsüdwesten geneigte kleine Hanglage (Diez, Flur 46).

Allerdings deutet die Lagebeschreibung des am 13.12.1354 bezeichneten Weinbergs anme Slefere gegen Diez zu an der Bach (HHStAW, Bestand 170 I, Nr. U 471) darauf hin, dass hier im Gegensatz zu den Hanglagen offensichtlich auch in der Niederung des Baches Aar Weinbau erfolgte.

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