Tradition in steilsten Lagen

Burgberg zu Balduinstein

Den ersten Hinweis auf Weinbau am Burgberg zu Balduinstein erhalten wir im frühen 14. Jahrhundert.

Berücksichtigend, dass es sich bei dem Dokument um den Verkauf eines offensichtlich im Ertrag stehenden Weinbergs handelt, darf man davon ausgehen, dass der Weinbau dort schon deutlich früher – möglicherweise schon im ausgehenden 13. Jahrhundert – begonnen wurde.

Erster urkundlicher Nachweis

17. Mai 1324

Johann von Westerburg gestattet den Eheleuten Heidenreich Cleytte den Verkauf eines Weinberges in der Nähe der Burg Balduinstein.

Quelle: Arcinsys / HHStAW, Bestand 115, Nr. U 23

Leider erfahren wir im Kurzregest nicht, wer der Käufer des Weingartens ist. Dies wird nur eine diesbezügliche Auswertung der Urkunde durch den Verfasser zu Tage bringen. Möglicherweise gibt aber schon das nächste bekannte Dokument darüber Aufschluss.


Weitere Erwähnungen

30.03.1339

Einen weiteren Beleg auf Weinbau in der Nähe der Burg Balduinstein erhalten wir aus einem Dokument vom 30.03.1339, in dem Dietrich von Staffel seine Einsetzung als Amtmann der Burg Balduinstein bestätigt.

Darin beschreibt er die ihm übertragenen Aufträge, im Zuge derer auch die ungefähre die Lage eines Weinberges angedeutet wird:

.. und da sail auch steen eyn portt [Tür/Tor] mit eynera wichhuß [Wachhaus] und sail dieselbe mure [Mauer] davort die leyhen ußghen und herwidder durch den wingartten, der daselbst lyt, biß uif den graben der egnanten burg. 

Unter anderem bestätigt er den ihm erteilten Auftrag, in den kommenden 4 Jahren ein Stück des Hanges nach eigenem Gutdünken zu roden und dort einen Weinberg mindestens in Größe eines halben Morgens anzulegen:

Ich sal auch in diesen vier iaren die nehesten nacheynander komende umb die vorgnant burg wingartten machen und roeden, als viel mich gutdunckt, und darnoch vurbaße alle iare also doch daß ich mich den vorgnanten vier iaren ye deß iares zu dem mynsten sal machen zu wingartten eynen halben morgen.

Man kann aus diesem erteilten Auftrag schließen, dass der bestehende Weinberg – möglicherweise jener, im Jahr 1324 erwähnte ,
– wegen nachlassender Erträge gerodet und mindestens in der Fläche eines halben Morgens neu bestockt werden soll, oder
– dass zur Erweiterung der Rebfläche um mindestens einen halben Morgen, Wald oder Buschwerk zu roden sei.

Nachfolgend beschreibt Dietrich von Staffel die Höhe des ihm dafür zugeteilte Lohnes und dessen Zahlungsverlauf.

Und daß ich diese stuck destabaße follenforen moege so sal myr myn egnanter herr zu follest geben achthundert punt heller oder den wert danabe nach Lympurger worung uff der Lane und sal myr die ytzunt gnant angeben zweyhundert punt und darnach zu oestern die nehstkomende aber zweyhundert punt und darnach uff die andern oestern zweyhundert punt und aber uff die andern oestern zweyhundert pfunt also daß ich in diesen vier iaren die vurgnanten achthundert pfunt bezalt werde.

Quelle:
Karl Herquet, Urkundenbuch des Prämonstratenserklosters Arnstein an der Lahn, a.a.O. Nr.90, S.86ff

1885

Eine späte namentliche Erwähnung des Distrikt Burgberg finden wir in der 1885 von H. W. Dahlen verfassten Karte und Statistik des Weinbaus im Rheingau und sämtlicher sonstigen Weinbau treibenden Orte im Gebiete des vormaligen Herzogtums Nassau sowie der Großherzoglich hessischen Gemeinden Kastel und Kostheim.

Hier führt er in einem Nachtrag Größe, Rebsorten und Erträge aus den Jahren 1879 und 1880 an:

Ausschnitt: Deutsche Weine und Weinbau-Stätten, verfasst von H. W. Dahlen, General-Sekretär des Deutschen Weinbauvereins, Mainz, 1894
Quelle:
Heinr. Wilh. Dahlen, Karte und Statistik des Weinbaus im Rheingau a.a.O, Seite 40

LETZTE BEKANNTE ERWÄHNUNG

1902

Den letzten bekannten Nachweis über diese Lage am Burgberg zu Balduinstein finden wir in einer Einzeichnung in der Rhein-Weinbau-Karte für die Strecke Bingerbrück/Rüdesheim – Coblenz : einschliesslich des Lahnthales aus dem Jahr 1902, die diese kleine Lage ausweist.

Ausschnitt aus der 'Rhein-Weinbau-Karte für die Strecke Bingerbrück/Rüdesheim - Coblenz : einschliesslich des Lahnthales
Ausschnitt aus der 
'Rhein-Weinbau-Karte für die Strecke Bingerbrück/Rüdesheim - Coblenz : einschliesslich des Lahnthales / Mit Benutzung amtlichen Materials angefertigt im Bureau der Königlichen Regierung zu Coblenz' Koblenz 1902
Quelle: www.dilibri.de
Balduinstein Burgberg 
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Heute sind nur noch Fragmente einer Terrassierung erkennbar, die auf den ehemaligen Weinbau hinweisen.

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