Tradition in steilsten Lagen

Der im 18. Jahrhundert ausgegangene Ort Kreuch (Croiche, 1235, Creuch, 1414, 1455) lag am flachen Südhang zur Lahn zwischen Offheim und Limburg.

Kreuch wird 1235 als Croiche erstmals erwähnt, kam 1564 von der ehemaligen Grafschaft Diez an das Erzbistum Trier, fiel aber wüst und bestand 1790 nur noch aus einem Haus.
Der heutige Limburger Flurnamen In der Kraigwiese überliefert diesen Ort.

Quelle:
Kreuch, Landkreis Limburg-Weilburg, in: Historisches Ortslexikon (Stand: 18.4.2018)

Erster bekannter urkundlicher Nachweis von Weinbau bei Kreuch

Im Zusammenhang mit Weinbau wird Kreuch erstmals am Ende des 14. Jahrhunderts genannt.

18. November 1395

Wigant von Schue (Schuwe) und seine Tochter Elle verkaufen Jakob von Rübenach (Rybinache), Bürger zu Limburg, und dessen Frau Else für eine Geldsumme, die diese ihnen bezahlt haben, 4 Schilling Pfennig Limburger Währung Grundzins (eygintoms), fällig zu Lätare (halphasten), und 6 Pfennig Gülte, fällig zum 26. Dezember (off s(en)te Stephannes dag), von einem Weingarten, den Siegfried (Siuerid) Cryntzer innehat, in Kreucher Gericht zwischen Wigant von Königsberg (Konnyngesperg) und Hermann in dem Hobe (gen dem Reuber unde stoschet an den Rennegrabin). Sie haben es aufgetragen am Gericht zu Kreuch vor Rollechin Honne und Henne Furbecher, Schöffen in dem Hof zu Kreuch, sowie Henne Sturmeger, Schultheiß daselbst.
Siegler: Siegel des vorgenannten Rollechin Honne, Schöffe zu Limburg und zu Kreuch.

Originaldatierung: Datum in vigilia beate Eliszabet anno domini MCCCLXXXXV

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 74, Nr. U 563
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Digitalisat:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 74, Nr. U 563

Eine Herausforderung wird es sein, mit den wenigen vorhandenen Erkenntnissen über Kreuch und Umgebung den Hinweis auf die Lage am Rennegrabin (Renne(n)graben) heraus zu finden.


Weitere urkundliche Erwähnung

17. Januar 1400

Grete ‚Zultzebechersin‘, Bürgerin zu Limburg, und ihre Kinder Hermann, Helwig und ‚Heintzichen‘ verkaufen dem Wigand Hildebold, Schöffe zu Limburg, dessen Frau Katherina und deren Erben für eine Geldsumme, die diese ihnen bezahlt haben, 1 Gulden ewiger Gülte, fällig am 11. November, von ihrem Hof zu Kreuch, auf dem ‚Lotzichin‘ Mechtolt jetzt sitzt, mit dem Weingarten und Baumgarten daneben und mit allem Recht und Zubehör. Dazu gehört ein Fleckchen (‚pleckelchin‘) nächst dem Fronhof, das jährlich 2 Tournosen den Vögten zu Kreuch zinst. Die Käufer haben von dem Hof außerdem 4 Tournosen Gülte fallen laut einer Urkunde, die sie von den Ausstellern haben. Diese geloben, Jahr und Tag gute Währschaft zu tun, wie im Hof zu Kreuch rechtsüblich.
– Siegel des ‚Rulichin‘ zu Schönecke, Schöffe zu Limburg und auch Schöffe in dem Gericht und Hof zu Kreuch.

Originaldatierung D. 1400, ipso die beati Anthonii confessoris

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 40, Nr. U 623

02. Mai 1403

‚Clais‘ Hane, Vikar im St. Georgenstift zu Limburg, vermacht der Präsenz des Stifts testamentarisch zum Seelgerät 3 Pfund Heller ewiger Gülte Limburger Währung von einem Stück Weingarten zu Limburg jenseits der Brücke auf dem Graben, genannt Stück des Hane. Davon gibt Hertwin Esel 2 Pfund Heller von dessen Teil des Weingartens, das außerdem 1 Sester Weizen in die Vogtei zu Kreuch entrichtet, und Katherine Wirauchs 1 Pfund Heller von deren Teil, das 2 Heller in die Vogtei zu Kreuch entrichtet. […].
– Siegel des Junkers Johann, Herrn zu Limburg, weil dieser in dem Kreucher Hof und Gericht, wo jene gültpflichtigen Güter liegen, oberster Vogt ist.

Originaldatierung D. 1403, in crastino beate Walpurgis virginis

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 40, Nr. U 636

26. Juli 1414

Nyngel zum Esilsfuße, Bürgerin zu Limburg, bekundet, daß sie mit Zustimmung ihres Sohns, Bruder Anselms, Guardians bei den Barfüßern zu Limburg, Henne Diederiche und dessen Frau Mene, Bürger zu Limburg, für eine Geldsumme, die diese ihnen bezahlt haben, 3 Schilling Pfennig Gülte von ihrem Weingarten (off der Waßirstoben) nächst der Hecke (und(e) stoßit off den weg), verkauft und mit Halm und Mund, wie im Kreucher Gericht und im Hofe daselbst rechtsüblich, aufgetragen hat. Sie gelobt, Währschaft zu leisten, wie ebenfalls dort rechtsüblich ist, und weder mit geistlichen noch weltlichen Worten oder Werken dagegen zu handeln. Der vorgenannte Guardian bekundet seine Einwilligung.

Originaldatierung:
Datum anno domini millesimo quadringentesimo quartodecimo, in crastino beati Jacobi apostoli

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 74, Nr. U 644
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Digitalisat:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 74, Nr. U 644

23. Juni 1455

Heyncze Kneuffeleder von Kreuch (Creuche) erwirbt (gewynnen) von Hermann Meye, Schultheiß zu Diez, und dessen Frau Hebel einen Morgen Weingarten in Kreucher Gemarkung (czynden), (stoßet ane den Rennegraben tzuschin Heyncze Agnes und Henne von Dyffenbach), mit allen Rechten und Zubehören. Er gelobt, den Weingarten in gutem Bau und Besserung zu halten und jährlich davon dem vorgenannten Hermann und dessen Frau Hebel 7 Tournosen Limburger Währung und ein Huhn zu Martini zu entrichten. 

Siegler: Siegel des Henne Hergkorne, Schöffe zu Limburg und Kreuch.

Originaldatierung: Datum uff s(en)te Johannes obent des heylgen deuffers. als hee geborne wart, anno domini Mmo CCCCmo quinquagesimo quinto

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 74, Nr. U 784

Die entscheidenden Hinweise zu dieser Erwähnung findet man gegen Ende der vierten Zeile sowie in Zeile fünf.

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Digitalisat:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 74, Nr. U 784

1509

In einem Dokument aus dem Jahr 1509 wird unter anderem eine

Wein-Lechzung des Stifts Limburg zu Camp, Brechen und Kreuch (Creuch) und die zollfreie Einfuhr derselben sowie weiteren Weinbedarfs nach Limburg

behandelt.

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 40, Nr. 1938

Offensichtlich handelt es sich dabei um eine Verkostung (Weinprobe) der in diesen Orten produzierten Erzeugnisse, auf deren Grundlage entsprechende Bestellungen erfolgten.
Einzelheiten werden eine detaillierte Auswertung des Dokumentes ergeben.

Weitere Erwähnungen im Zusammenhang mit dortigem Weinbau sind bisher nicht bekannt. Man darf davon ausgehen, dass noch vor Ausgang des Ortes der Weinbau dort aufgegeben wurde.


Weitere Erwähnungen von Weinbau bei Limburg ( vinea trans LoginamWeingarten über der Lahn), wie sie in weiteren Urkunden dokumentiert sind, können nicht mit Sicherheit der Ortslage von Kreuch zugeordnet werden, da auch weiter lahnaufwärts für Weinbau geeignete Südhänge gelegen sind.

Da die bekannten Regesten keine weiteren Details offenlegen, bedarf es dazu noch der eingehenden Auswertung der Originaldokumente.


LOKALISIERUNG

Der in den vorgenannten Dokumenten zur näheren Lokalisierung der Weingärten genannten Lagen off der Waßirstoben und Rennegraben sind nicht überliefert. 
Daher ist ihre genauere Lagebestimmung nicht mehr möglich.
Allerdings darf davon ausgegangen werden, dass sie in Ortsnähe am Südhang zur Lahn oder an einer Süd-Südwesthanglage im westlich des Ortes gelegenen Elbbachtal lagen.


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