Tradition in steilsten Lagen

Dietkirchen

1293 wird nach derzeitiger Kenntnis erstmals Weinbau bei Dietkichen erwähnt.

Erste bekannte urkundliche Nennung von Weinbau bei Dietkirchen

5. November 1293

Da den Menschen nichts mehr gebührt, als daß ihr letzter Wille frei ist […], verfügt Gerhard, Kustos des Stifts Dietkirchen, letztwillig folgendes. Alle Güter, die er zu Eigentum oder aus väterlicher Erbschaft besitzt und die fast frei von jeglicher Abgabe sind, an Äckern, Weinbergen, Hofstätten wie an Geld, Hühnern und Gänsen vermacht er zu seinem Seelenheil und dem seines Vaters, seiner Mutter und aller Vorfahren (‚parentum‘) dem Altar der heiligen Jungfrau Katharina, der im St. Lubentiusstift neu hergerichtet ist, […]

Die Hälfte des fast einen Morgen ausmachenden Weingartens, den er und C(onrad), sein Gefährte und Tischgenosse (’socius et commensalis‘), mit gemeinsamen Arbeiten und Ausgaben gepflanzt haben, überläßt er ebenfalls dem Altar. […]

Originaldatierung: Actum 1293, in die beate Katerine virginis et martiris

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 19, U 5

Weitere Urkundliche Erwähnungen

15. Oktober 1327

Rorich, Kaplan des Altars der heiligen Jungfrau Katharina im Stift Dietkirchen, Trierer Diözese, bewidmet – da der Tod niemanden verschont, auch nichts Ungewisser als seine Stunde und es daher ratsam ist, dem mit guten Werken zuvorzukommen, die wir allein aus diesem Leben mitnehmen können (‚Quoniam finis omnium terribilium scilicet mors nulli parcens est metuenda, qua nichil certius cunctis mortalibus, eiusque hora nichil incertius, expedit nobis hanc prevenire bonis operibus, quia nichil nobiscum nisi operum et meritorum nostrorum qualitatem ferimus de hac vita‘) – mit Zustimmung seiner Herren, des Dekans und Kapitels des vorgenannten Stifts, zu seinem und seiner Vorfahren Seelenheil den Altar, der auf seine Kosten zu Ehren der heiligen Maria Magdalena in diesem Stift errichtet (‚edificatum‘) ist, mit folgenden Gütern: seinen Weingärten beim Dorf Winden und bei Dietkirchen, […], seinem Hof und Anwesen (‚curte mea et mansione‘) zu Dietkirchen, das er jetzt bewohnt, mit der Kelter in dem Hof samt den Fässern, Geräten (‚instrumentis‘) und andern Zubehören jener Kelter und mit zwei Betten. […]
– Wegen Siegel-Mangels des Ausstellers siegeln die Dekane Siegfried vom Stift Dietkirchen und Lenzemann vom Stift Limburg sowie Cunemann, Kantor des Stifts Limburg, die er zu seinen Treuhändern und Testamentsexekutoren erwählt und bittet, den Auftrag so auszuführen, als ob sie darüber im Jüngsten Gericht Rechnung legen wollen.

Originaldatierung: Actum et d. 1327, feria quinta post festum beati Lubencii confessoris

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 19, U 16
auch:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 19, U 16a sowie Bestand 19, U 17

12. März 1332

Die Brüder Heinrich und Enolf zu Dietkirchen bekunden, vom Grafen Emicho von Nassau und dessen Gemahlin Gräfin Anna einen Weingarten bei Dietkirchen in Pacht erhalten zu haben.

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 115, U 28

26. Januar 1366

Heinrich von Elz, Dekan zu Dietkirchen, gelobt Herrn Johann von Attendorn, Kanoniker und Kustos zu Dietkirchen, den Hof zu Steeden, den er diesem verkauft hat, von 9 Malter Korngülte, die dasselbe Stift darauf hat, bis zum 29. Mai (’sente Maximinus dag‘) nächsten Jahrs zu befreien. Solange will der Aussteller die Gülte tragen. Er setzt dafür zu Unterpfand: seinen Weingarten von 1 Morgen, den er kaufte von dem (‚galt wider den‘) Scholaster (’schoylmeister‘) von Bubenheim, der an der Grenze der Gemarkung Dietkirchen (‚da der zihende von Dytkirchen wyndet‘) gelegen ist; 1/2 Morgen an demselben Weingarten, den er von Conze ‚Seynger‘ eingetauscht hat, und sein Haus am Weiher mit allem Land, Garten und Gut, das inner- und außerhalb des Zauns es umgibt. – Es siegeln der Aussteller sowie Johann, Herr zu Limburg, Werner von Diez und Johann im Hof, Edelknechte.

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 19, U 52

13. Januar 1383

Heinrich Dutsche von Niederhadamar bekundet einen Tausch mit seinem Oheim Dyele von Hadamar, Bürger zu Limburg, dem er seine Güter zu Dietkirchen, bestehend aus Weingärten, Ackerland und Zinsen, überlässt gegen sieben Morgen näher beschriebenen Landes, darunter auch ein Weinberg, zu Niederhadamar, verbunden mit der jährlichen Lieferung eines halben Malter Korns an Diele.

Originaldatierung: 1382 in octava epiphanye, nach Trierer Stil

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 22, U 1182 mit Digitalisat

02. Juli 1387

Johannes von Attendorn, Kanoniker und Thesaurar des St. Lubentiusstifts zu Dietkirchen, Trierer Diözese, macht – da den Sterblichen nichts sicherer als der Tod und nichts unsicherer als dessen Stunde ist und es sich daher empfiehlt, dem mit guten Werken zuvorzukommen, deren Eigenschaft allein dem Menschen nachfolgt – zu seinem Seelenheil und dem seiner Wohltäter, Vorfahren und aller Gläubigen sein Testament. […]

Zur Unterhaltung von zwei Priestern bewidmet er sie mit folgenden, von ihm gekauften Gütern: mit seinem Hof (‚curte‘) im Dorf Steeden mit Feldern, Äckern, Weingärten, Früchten, Weiden, Einkünften und Zinsen; mit der Hälfte seines Hofs in Dorf und Feldmark Dietkirchen auf der ‚Helden‘ nebst Äckern, Weingärten und Einkünften; […]

1 Malter Korngülte, die Hartmut genannt Poyr und Sophia genannt Poyrs und deren Erben von einem Weingarten von 5 Sadel am Born (’supra fontem‘) gibt;

9 Malter Korngülte, fällig zwischen dem 15. August und 8. September, von den Weingärten des Herrn Heinrich von Elz, Dekans des Stifts Dietkirchen, von 1 1/2 Morgen (‚pro uno iugere et dimidio‘) dort, wo die Weingärten (‚vineta‘) des Limburger Berges von denen des Berges zu Dietkirchen geschieden werden, […]

seine Weingärten am Berge, genannt ‚Burgheym‘, bei Dietkirchen von 1 Morgen (‚uno iurnali‘) und 3 Sadel in zwei Teilen. […]

Er vermacht zu den Lichten der Vigilien 3 Malter ewiger Korngülte, die Apelo genannt ‚Doytschayff‘ von Limburg und dessen Erben von 1 Morgen (‚iugere‘) Weingarten an der Mainzer Straße über den Weingärten des Sleynchard und von 16 Morgen (‚iugeribus‘) Acker gibt, […]

Seinem vorgenannten Verwandten (‚cognato‘) Johannes vermacht er 1/2 Morgen (‚iurnale‘) Weingarten auf dem Berge ‚Burgheym‘ bei Tylo, ohne die Zinse, auf Lebenszeit. Nach dessen Tod soll der Weingarten, auch ohne die Zinse, dem St. Michaelsaltar zu Dietkirchen gehören. […]

Zu der Ewigen Lampe in der Dreifaltigkeitskapelle vermacht er 6 1/2 Äcker pflügbares Land in drei Stücken, wovon eins in der Gemarkung (‚in decima‘) von Limburg über den Weingärten nach Dietkirchen unter Johann genannt Mulich liegt, gegen 6 Äcker des Limburger Hospitals grenzt und 5 Morgen weniger 1 Sadel mißt und die beiden übrigen Stücke, zusammen 7 Sadel, in der Gemarkung von Dietkirchen über dem Berge ‚Burgheym‘ liegen: ein Stück, genannt der Mergel, unter dem Acker des Henczo genannt Stollin und das andere etwas oberhalb bei dem vorgenannten Henczo; […]

Zu der Bruderschaft des Landdekanats Dietkirchen vermacht er 7 1/2 Schilling, die zu Dehrn von den Gütern, genannt alte Weingärten, über dem Born (’supra fontem‘) beim Berg Gyrsberg fallen, damit sie sein Gedächtnis in ihren Gebeten, Vigilien und Messen begeht. […]

– Siegel des Ausstellers und des Herrn Johannes Wynechin, Kantors des Stifts Limburg.
– Vor Heinrich von Dieblich (‚Deuelych‘), Kanoniker, Ludwig von Limburg, Glöckner zu Dietkirchen, Heinrich genannt Vosseken von Attendorn, einem Verwandten (‚cognato‘) des Ausstellers, Klerikern.
– Konrad, Pleban der Pfarrkirche zu Montabaur, Trierer Diözese, kaiserlicher Notar, bezeugt seine Anwesenheit und die Niederschrift, die er wegen eigener Geschäfte durch einen andern vornehmen ließ, auf Veranlassung des Testators durch Unterschrift und sein Zeichen.

Originaldatierung:
Acta sunt hec 1387, indictione decima, die Martis mensis Julii secunda, hora primarum vel circa in camera dormitoriali habitacionis mee in Deytkirchen

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 19, Nr. U 79a
auch:
Struck, St. Lubentiusstift Dietkirchen, Nr. 141

04. Juli 1389

Gernant Fischer (‚Fießir‘) von Limburg und seine Frau Nese vermachen dem St. Johannesaltar im Stift Dietkirchen, der ihrem Sohn Gerlach verliehen ist, testamentarisch zu ihrem und ihrer Vorfahren Seelenheil den Weingarten an dem Burgheim zu Dietkirchen, der an dem Präsenzweingarten jenes Stifts liegt. Der Vikar des Altars soll in seiner Messe und in seinem Gebet ihrer Seele gedenken. Die Aussteller sollen den Weingarten auf Lebenszeit behalten.
– Siegel ihres lieben gnädigen Junkers, Dietrichs, Herrn zu Runkel.

Originaldatierung D. feria quarta post vincula Petri 1389

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 19, Nr. U 82

10. Februar 1398

Eckart von Dietkirchen, Vikar des Andreasaltars im Stift Dietkirchen, verkauft dem Dekan und den Kanonikern und Vikaren desselben Stifts zur Präsenz für 15 schwere Gulden, die diese ihm bezahlt haben, 1 Malter Korngülte. Er setzt dafür zu Unterpfand 1/2 Morgen Land in dem Feld beim Dehrner Pfad über Herrn Rulemann Wiße, Dekan des Stifts, und 1/2 Morgen Weingarten zwischen dem Weingarten Unserer Lieben Frau und dem Weingarten von St. Maria Magdalena auf der Mauer. Er hat die Unterpfänder dem Stift mit Halm und Mund aufgetragen, wie in der Grafschaft Diez rechtsüblich, und verpflichtet sich, die Gülte auf eigene Kosten und Gefahr zwischen dem 15. August und 8. September trocken und gut nach Dietkirchen auf das Haus der Präsenz zu entrichten.
– Siegel des Diethart von Cramberg, Burgmanns zu Runkel.

Originaldatierung: D. ipso die Scolastice virginis 1397 secundum stilum Treverensem

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 19, Nr. U 86

01. Dezember 1402

Die Meisterin des Klosters Beselich Gertrud von Weilburg bekundet einen Vergleich mit dem Vikar Thilmann von Hadamar zu Limburg, in dem sie auf einen Weingarten zwischen Limburg und Dietkirchen, neben dem des Dechanten Rulemann von Dietkirchen gelegen, gegen 14 Schilling Rente von einem Haus zu Limburg verzichtet.

Originaldatierung: Datum 1402 in crastione S. Andrea apostoli

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 13, Nr. U 44

Derzeit konnte noch nicht ermittelt werden, welcher Gemarkung der Weingarten letztlich zuzuordnen ist. Daher wird auf dieses Dokument in Limburg und Dietkirchen verwiesen.


25. Februar 1405

Heinrich von Nauheim (‚Nuheym‘), Kanoniker des St. Georgenstifts zu Limburg, bekundet, daß Dekan, Kapitel und die Vikare desselben Stifts für die Präsenz ihm und Grete ‚Wanereiz‘ auf Lebenszeit den Weingarten genannt der Nesener, jenseits der Brücke neben dem Weingarten des ‚Clais‘ Roßbecher mit allem Recht und Zubehör gegen 1 Gulden ewiger Gülte Limburger Währung, fällig am 11. November, verkauft haben. Er weist diese Gülte an auf seinen Weingarten genannt der Kellner, der ebenfalls jenseits der Brücke am Dietkirchener Berge zwischen den Weingärten des Rulemann von Bubenheim und des Rorich Schultheiß liegt und Henne von Elz (‚Else‘) gehörte, und setzt diesen Weingarten zu Unterpfand. […].
– Siegel des Henne von Nauheim, Bruders des Ausstellers, und Rorich Schultheiß, Schöffen zu Limburg.
– Ferner wurde vereinbart, daß die Präsenz die Gülten und den Grundzins zu entrichten hat, die der Weingarten genannt der Nesener jährlich gibt.

Originaldatierung: D. 1404, in crastino beati Mathie apostoli secundum stilum Treverensem

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 40, Nr. U 649

25. Juni 1453

Jutte, Witwe des Hans von Hoenberg, des Alten, und ihre Kinder teilen mit Johann Frei (Fryen) von Dehm (Derne) alle Güter, die Herrn Crafft Frei von Dahrn, Dekan zu Dietkirchen (Dyckyrchen), ihr Bruder und Vetter gehabt, Eigen, Erbe, Häuser, Scheuern, Gärten, ‚Weingärten, Äcker und Pfandschaft. […]
Von den Wingerten ‚die Grebenberge‘ zu Dietkirchen erhält Jutte die Teile nach Limburg zu mit den Wingerten von Czynen Hennchin , George Badenmar; Herman Curnale, Henne Kromer, Henne Oebeloch zu Dehm (Dame) und Aintzchin Gychmann, Johann die nach Dietkirchen (Dyeckirchen) zu von Henne Byerwertter, Kusen Henne, Adam Henne Schaffers Sohn, Claiß Gerume Pater Komermar und Tzynen Hennchin. Der halbe Morgen Wingert ‚in dem Lympurger berge‘ oberhalb der Harren von Limburg Wingert wird Johann zuteil, dafür erhält Jutte den Garten auf der Lahn (Layn) zwischen Dehm und Dietkirchen. […]
Nach Herrn Craffts Tod sollen über diese Teilung besiegelte Urkunden ausgefertigt werden.

Originaldatierung: 1453 in crastino nativitatis beati Johannis baptiste

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 1008a in Nr. 182a, fol 15-16

29. September 1479

Kunigunde ‚Frau‘ zu Beselich und der Konvent verlehnen ihren Weingarten zu Dietkirchen, der Nonnnenberg genannt, an Ludwig Fanter daselbst auf 15 Jahre gegen 1/3 des Ertrages.

Originaldatierung: Anno 1479 uff sant mychels dagh

Quelle:
Arcinsys/HHStAW, Bestand 13, Nr. U 69

Weitere interessante Erkenntnisse aus Recherchen zum Weinbau bei Dietkirchen, insbesondere auch zum Ende mittelalterlichen Weinbaus und die Wiederaufnahme und Entwicklung des Weinbaus an der Lubentius Kirche zum Ende des 20. Jahrhunderts finden sich in in den Ausführungen auf der Internetseite
Dietkirchen – Perle an der Lahn (externer Link) von Ludwig Ries.

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Kommentare (1):

  1. Weinbau an der Lahn

    7. April 2021 at 12:50

    Herzlichen Dank an Ludwig Ries für seinen Hinweis auf die Erwähnung von Weinbau bei Dietkirchen im Jahr 1327.

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