Tradition in steilsten Lagen

Die ehemalige Flur Im Mückenberg liegt am nordwestlichen Ortsrand von Scheidt, die, obwohl das angrenzende Gelände nach Nordwesten zum Scheidter Bach (auch: Wäschbach) abfällt, eine Hanglage nach Südwesten aufweist.

Durch ihre unmittelbare Ortsrandlage in Bebauungsnähe ist der Hang von Nord bis Ost gegen kalte Winde geschützt. Kaltluft kann zudem im parallel verlaufenden Bachtal rasch abfließen. Von Ost bis Süd steigt das angrenzende bebaute Gelände der Ortschaft nur leicht an. Damit ist eine  früh beginnende und lange jahres- und tageszeitliche Sonneneinstrahlung bis West-Nordwest im späten Jahr/Tag gegeben.

Insofern war diese Lage für den Weinanbau gut geeignet.


Topografische Lage

Lage: nordwestlicher Ortsrand von Scheidt 
Exposition: 235° (SW)
Hangneigung: Ø 32%
Größe: ca. 1 ha

Urkundlicher Nachweis

Sowohl die Flurbezeichnung als auch eine weinwirtschaftliche Nutzung des Mückenberges waren in Vergessenheit geraten. Im Zuge der Nachforschungen zur Geschichte der Ortsgemeinde Scheidt anlässlich des 666. Jahrestages der bislang bekannten Ersterwähnung wurde eine Urkunde aus dem Jahr 1565 gehoben, in der ein Wingert bei Scheidt verzeichnet war.
Dies regte die Suche nach der räumlichen Lage des darin bezeichneten Weingartens an.


Zur Trennung der heutigen Gemeinden Laurenburg und Scheidt mit ihren Feldfluren Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Gemarkung Scheidt im Jahr 1684 durch Johannem Arundo, einem vereidigten Landmesser, amtlich aufgemessen.
Die Ergebnisse dokumentierte er im ‚Messbuch der Gemeindt zu Scheyd‘.
Beglaubigt wurde das Ergebnis durch die vereidigten Schätzer Johann Michel Wilhelm, Michell Urban und Johann Michel Ruln.

Im diesem Messbuch findet sich auf Seite 47 unter anderem folgender Eintrag:

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Seite 47 und Ausschnitt der Seite 47 des 'Messbuch der Gemeindt zu Scheyd'
© 2018 Weinbau an der Lahn / Matthias C. Schmidt

Die Wiesen unter dem Dorf der Tochter des Alexander Lotz. …

Eine Wiese an Weinbergen am Mickeberg stößt an ein Grundstück des Georg Brunck und hat eine Fläche von 5 Ruten. …

Quelle: 
Messbuch der Gemeindt zu Scheyd, 1684

Damit war(en) Weinberg(e) unterhalb des Dorfes am Mickeberg (= Mückenberg) dokumentiert.


Lokalisierung

Aus dem Messbuch geht die örtliche Lage des Mückenberges nicht hervor.

Hierbei konnte allerdings die Sichtung von den im Dorfarchiv aufbewahrten ‚Consolidationskarten für die Vornahme der Gemarkungsbegehungen‘ liefern, die nach Trennung der gemeinsamen Waldflur von Scheidt und Laurenburg im Jahr 1825 im Jahr 1879 zum Abschluss der Flurbereinigung und auf der Grundlage des Scheidter Messbuches von 1684 durch den Bezirksgeometer, Vermessungsrevisor A. Seel zu Freiendiez, angefertigt wurden.

Vorblatt der 'Specialkarten in 19 Blättern über die konsolidierte Gemarkung Scheidt, Kreis Unterlahn Amt Diez, 1879'

Vorblatt der 'Specialkarten in 19 Blättern über die konsolidierte Gemarkung Scheidt, Kreis Unterlahn Amt Diez, 1879' 
© 2018 Weinbau an der Lahn / Matthias C. Schmidt

Aus Blatt 3a dieser Karten geht die Lage der ehemaligen Flur ‚Im Mückenberg’ hervor.
Sie lag nordwestlich entlang der heutigen Wiesenstraße.

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Blatt 3a der 'Specialkarten in 19 Blättern über die konsolidierte Gemarkung Scheidt, Kreis Unterlahn Amt Diez, 1879' 
© 2018 Weinbau an der Lahn / Matthias C. Schmidt

Zusammen mit der vorgenannten Benennung und Ausmessung im Scheidter Messbuch konnte damit die Lage eines Weinberges im heutigen Ortsbering Scheidt nachgewiesen werden.


Da die Ortsangaben im Dokument aber nicht ausreichend detailliert waren, war nicht zweifelsfrei nachzuweisen, dass der in der Urkunde erwähnte Wingert tatsächlich im Mückenberg zu verorten wäre.

Im Nachhinein waren die Zweifel berechtigt, da im Zuge fortgesetzter Untersuchungen mittlerweile weitere Lagen bei Scheidt (an der Hasenlay, der Schwarzlay und der Tornlay) identifiziert werden konnten.
Darüber hinaus ist der im Laurenburger Burgfrieden bei Scheidt benannte Weingarten, der nach derzeitigen Erkenntnissen wohl mit keiner der vorgenannten Lagen übereinstimmt, räumlich noch nicht identifiziert.


Der Mückenberg heute

Die Fotos in der folgenden Galerie zeigen die Flur Im Mückenberg im Jahr 1954 mit nunmehr lockerer Obstbaumbepflanzung und bebaut im Jahre 2015.
Der Vergleich der beiden Ortsansichten aus den Jahren 1954 und 2015 verdeutlicht die infrastrukturellen und landschaftlichen Veränderungen binnen 60 Jahren.

Der in der Bildmitte horizontal  verlaufende Feldweg ist die heutige Wiesenstraße.
Diese ist nun auch auf der Seite des Mückenberges, der dazu zum Teil aufgeschüttet wurde, bebaut.

Die Flur als solche ist erloschen.

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Langeberg

IN ÜBERARBEITUNG

Erster urkundlicher Nachweis

10. MÄRZ 1392

Heinrich Stemich von Laurenburg und seine Gattin Else verkaufen dem Abte Arnold zu den Einkünften des Siechhauses des Klosters Arnstein vor den Schöffen von Holzappel unter Vorbehalt der Wiederlöse für 13 kleine Gulden eine Rente von jährlich 1 Gulden und setzen dafür 2 Parzellen Weinberg zu Frohnau zum Unterpfande.

Originaldatierung: D. ipso die dominico quo cantatur Reminiscere a. d. 1391 iuxta stilum Treverensis dyocesis

Quelle:
Arcinsys / Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 11, U 260, 1392

Während im Kurzregest des Hessischen Hauptstaatsarchivs die beiden zu Unterpfand gesetzten Weinbergsparzellen räumlich „zu Frohnau“ eingeordnet werden, übernimmt Herquet die räumliche Zuordnung auf der Grundlage der Urkunde exakter aus.

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Quelle:
Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 11, U 260, 1392
© 2018 Weinbau an der Lahn Mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Hauptstaatsarchivs Wiesbaden.
Alle Rechte vorbehalten.

Danach setzen

Heinrich Steinich (?) von Laurenburg und Else seine Hausfrau … zu Unterpfand … einen halben Morgen Weingarten zu Froinauwe und einen Weingarten hinter der niedersten Mühle gelegen.

Quelle:
Karl Herquet, Urkundenbuch des Prämonstratenserklosters Arnstein an der Lahn, 
Erste Lieferung (1142-1446), Wiesbaden, Verlag von Chr. Limbarth, 1883, Nr. 290, S. 188
Quelle:
Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 11, U 260, 1392 Ausschnitt 'Frohnau'
© 2018 Weinbau an der Lahn
Mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Hauptstaatsarchiven Wiesbaden.
Alle Rechte vorbehalten.

HHStAW, 11, U260, Ausschnitt niederste Mühle

Sie setzen zudem einen halben Morgen Weingarten zu Froinauwe zu Unterpfand.

HHStAW, 11, U260, Ausschnitt Frohnau
Quelle:
Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 11, U 260, 1392
© 2018 Weinbau an der Lahn
Mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Hauptstaatsarchivs Wiesbaden.
Alle Rechte vorbehalten.

Einzelheiten zur Lage In der Frohnau finden Sie über diese [noch einzufügende] Verlinkung.

 

Abc


Weitere urkundliche Erwähnungen

1301

Abc


Topografie

Lage:
Exposition:
Hangneigung:
Größe:

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Adelhahn

Fast 700 Jahre nach seiner ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1319 und 60 Jahre nach der letzten Lese im Jahr 1958 begann mit der Wieder-Bestockung der im Zuge der Flurbereinigung rekultivierten Lage die Zukunftssicherung des Weinbaus an der Lahn.