Tradition in steilsten Lagen

Die Lage In dem Plencer (Plenter 1385, im Plenter 1716) bei Nieder-Lahnstein wird erstmals 1365 namentlich genannt. Heute erinnert nur noch die Nennung der mittlerweile exzessiv bebauten Niederlahnsteiner Flur 9 Im Blünter daran.

Erste bekannte urkundliche Nennung

12. März 1365

Johann genannt Rente und Else seine Hausfrau, Einwohner zu Nieder-Lahnstein, bekennen, dass sie von dem Abt Wilhelm und dem Kl. Arnstein zwei Weingärtens in Plencer und einen Teil des grossen Weingartens bei der Mühle auf 20 Jahre empfangen haben.
Zeugen und Siegler wie vorher.

Originaldatierung: D. a. d. MCCCLXV° in die b. Gregorii p.

Quelle: 
Karl Herquet, Urkundenbuch des Prämonstratenserklosters Arnstein an der Lahn, a.a.O., Nr.216, S.157

Weitere urkundliche Nennungen

03. Februar 1385

Anselm, gen. Schilling von Bechiln und sein Sohn Ruprecht. wohnhaft zu Koblenz. bekunden. daß sie infolge einer Bürgschaft über 128 schwere kleine Gulden für Heinrich von der Hoermynnen von Koblenz und dessen Ehefrau Goitghins. Jakob Plecz Tochter. gegenüber der Jüdin Reynen durch das Gericht zu Niederlahnstein in den Besitz des Gutes der beiden Eheleute in der Niederlahnsteiner Gemarkung gesetzt sind und verkaufen, da Heinrich von der Hoerminnen verstorben ist, mit Zustimmung von Goitghins jetzigem Ehemanne Everhard von Heisern und der Jüdin Reyne dieses Gut dem Dechanten, dem Kapitel und den Vikaren des Stifts St. Kastor für 120 schwere kleine gute Gulden; das Gut besteht in einem Stück Weingarten hinter dem Hofe der vorgen. Eheleute zu Niederlahnstein, gen. in dem Plenter und grenzt oben an dem Weg an Buych neben Hillen Sacks und ist eine aiffspliessunge von dem Weingarten hinter dem Hofe der Eheleute; Everhard und Goitghin verpflichten sich, jährlich den erblichen Grundzins von 6 Brabanter Schillingen von dem Weingarten zu zahlen und diesen nach dem Garten zu einzufriedigen. Die Verkäufer und die Eheleute geloben die Kinder Heinrichs von der Hoermynnen zur Einhaltung des Kaufvertrages anzuhalten, sobald diese großjährig sind.
Es siegeln die Schöffen zu Niederlahnstein.

Dat in crast Purificacionis b Marie virg a d 1384

Quelle:
Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 109, Urkunde 586 (unverschlüsselt)

1439

Heinrich (Heynman) Steynmecz und seine Ehefrau Christine (Styne), wohnhaft zu Niederlahnstein (Nyederlanstein) geben bekannt, dem Spital zu Boppard (Boippart) eine Rente von 1 schweren Rheinischen Gulden, fällig am 25. Dezember in den viere helligen dagen zu Wynachten oder spätestens am 2 Februar (… myt unßer lieber frauwen dag als man dye kerczen wyhet genannt zu latyne Purificacio) schuldig zu sein aus 3 Weingärten gelegen in dem Plenter, im Airkamardt und genannt Kollen, Gemarkung Niederlahnstein.
Siegel der Schöffen von Niederlahnstein auf Bitten der Aussteller

Datum a D 1439

Quelle:
Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 108, Urkunde 308 (unverschlüsselt)

01. Januar 1716

Die Kartause St Beatusberg bei Koblenz verpachtet auf 12 Jahre an Johannes Georg Schweickart Bürger zu Niederlahnstein einen Weingarten gelegen zu Niederlahnstein im Plenter Der jährliche Pachtzins beträgt die Hälfte der Trauben

Quelle: 
Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 109, Urkunde 1056 19 (unverschlüsselt)

1803/1820

Im Kartenwerk Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und von Müffling (1803 – 1820) ist besagte Lage unter Rückschluss auf die Bezeichnung der heutigen Niederlahnsteiner Flur 9 Im Blünter (s.u.) dargestellt.

Weingärten wurden in diesem Kartenwerk offensichtlich wie folgt kenntlich gemacht:
Hanglagen werden durch senkrechten Striche in ihrer Falllinie dargestellt. Weinberge sind beige grundiert, darin sind rötlich coloriert Querstriche eingezeichnet. Diese symbolisieren offensichtlich Stützmauern. 
In der Ebene liegende Anbauflächen sind ebenfalls beige grundiert und zudem mit einem dünnen, roten Strich begrenzt.

Zum Vergrößern bitte in die Karten klicken.
Ausschnitt Niederlahnstein / Lage In dem Plencer (Bildmitte links)
Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und von Müffling (1803 - 1820) Kartenaufnahme 1:25.000, (1803 - 1820) BlattNr. 149/88 1816/17 Blatt Rehns-Niederlahnstein Quelle: www.geoportal.rlp.de/

Besagte Lage liegt am nördlichen Ortsrand zwischen der Lage Oberm Arnsteiner Hof (aufgelassen) im Osten und In der Schibegassen im Westen.


1843/1879

Die Preußische Kartenaufnahme 1:25.000, Uraufnahme-Urmesstischblätter (1843-1879) weist Weinbergslagen beige grundiert mit dunklerem, gestrichelten Rand aus. Aufgelassenen Lagen sind ohne Grundierung nur durch den gestrichelten Rand gekennzeichnet.

Ausschnitt Niederlahnstein / Allerheiligenberg
Ausschnitt Niederlahnstein / Allerheiligenberg 
Preußische Kartenaufnahme 1:25.000, Uraufnahme-Urmesstischblätter (1843-1879) 
© GeoBasis-DE / LVermGeoRP 2020, dl-de/by-2-0, http://www.lvermgeo.rlp.de [Daten bearbeitet], Originale im Besitz der Kartenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin

Daraus ist zu schließen, dass die ebenso verzeichnete Lage Im Plencer zur Zeit der Kartenaufnahme als Weinbergslage zwar noch erkennbar, jedoch nicht mehr im Ertrag stand.


LOKALISIERUNG

Die Benennung eines Teils der Niederlahnsteiner Flur 9 Im Blünter tradiert jenen früheren Namen, ebenso die südlich davon parallel verlaufende Straße Im Plenter. Allerdings lagen die Weingärten offensichtlich in der heutigen Flur 28, südlich der Straße im Plenter zwischen Holzgasse (im Westen) und Hospitalgasse (im Osten). Die eingezeichneten Häuser sind jene an der heutigen Emser Landstraße

Zum Vergrößern bitte in die Karten klicken.
Niederlahnstein / Flur 9 Im Blünter © GeoBasis-DE / LVermGeoRP 2020, dl-de/by-2-0

TOPOGRAFIE

Lage: Südlich der Straße Im Plenter zwischen Holzgasse (im Westen) und Hospitalgasse (im Osten). 
Exposition: 210° - 150°(SSW-SSO) 
Hangneigung: tbd 
Größe: ca. 25.000 qm = ca. 10 Mg

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