Tradition in steilsten Lagen

Die erste Erwähnung von Weinbau am Küppel zu Steinsberg finden wir in einer Urkunde aus dem Jahr 1379.

ERSTER URKUNDLICHER NACHWEIS

20. Februar 1379

Johann Stolthen von Steinsberg, Holbechers Sohn, verkauft dem Nonnenkloster Bärbach (‚zur Berp-‚) um seiner Not willen für 18 Gulden und 10 Englische Limburger Währung, die das Kloster ihnen bezahlt hat, zu Erbrechtseinen Weingarten zu Steinsberg, der neben dem Weingarten jener Nonnen gelegen ist, genannt der ‚Kluppel‘, mit einem Stückchen, das der Aussteller von den Kindern des Knod gekauft hat und das dabei liegt.
Der Aussteller hat den Nonnen und ihren Vormündern (‚iren muntbaren‘) diesen Weingarten und das Stück, die beide freies Eigengut sind, mit Halm und Mund vor den Nachbaren und dem Kirchspiel zu Habenscheid (‚Hafginscheit‘) aufgetragen.
Er setzt dafür zu Bürgen seinen Bruder Rorich von Steinsberg und dessen Schwager Henne im Hof, die geloben, mit dem Aussteller Jahr und Tag Währschaft zu leisten, wie im Lande rechtsüblich.
– Siegel des Ritters Johann von Allendorf und des Jurkers Johann im Hof.

Quelle:
Archinsys / Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 12, Nr. U 62, 1379

Die vermutlich vom Kloster Bärbach selbst zu besserer Identifizierung und Ansprache so erfolgte Benennung dieses Weingartens legt nahe, dass dieser auch tatsächlich am Hang des heute so genannten Küppel lag.


Weitere urkundliche Erwähnungen

11. Mai 1381

Heinrich, Edelknecht von Laurenburg, gibt zu Heil und Seligkeit seiner Seele mit Einwilligung seiner Brüder Wiprecht und Eberhard dem Nonnenkloster des St. Klarenordens in Bärbach (‚zu der Berp-‚) zu St. Salvator, Trierer Diözese, zu einem ewigen Testament 3 Schilling Pfennig Limburger Währung, die er dem Kloster mit Halm und Mund aufgegeben hat an dem Gericht zu Esten vor Hartmut, Schultheiß, und Heincze und Guntram von Kelterhusen.
Er hat die Gülte angewiesen auf seinen Weingarten in dem ‚Dagisborn‘ zu Laurenburg beim Weingarten des Heinrich von Staffel, der auch vormals dem Kloster gehörte, das ihn gegen Hennechins Weingarten zu Steinsberg vertauschte, und setzt jenen Weingarten zum Unterpfand für die am 11. November fällige Gülte.
Die Nonnen sollen hierfür den Aussteller und seine Altvordern in ihr Seelbuch schreiben und haben sie in ihre ewige geistliche Bruderschaft aufgenommen, so daß sie seine und seiner Altvordern Jahrzeit begehen und ihrer ewig mit Vigilien und Messen gedenken sollen, wie in ihrem Kloster rechtsüblich.
– Es siegeln der Aussteller und seine Brüder Wiprecht und Eberhard.

Originaldatierung: D. 1381, quinto idus Maii

Quelle:
Arcinsys / Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 12, Nr. U 68, 1381 Mai 11

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Somit sind bei Steinsberg am Küppel mindestens 3 Weinberge verbrieft:

1 x Johann Stolthen von Steinsberg, später Kloster Bärbach
(HHStAW, 12, U 62, 1379),
1x Nonnenkloster Bärbach – neben dem Wingert des J. S .v. Steinsberg gelegen
(HHStAW, 12, U 62, 1379),
1 x Hennechin, später im Tausch an Kloster Bärbach
(HHStAW, 12, U 68, 1381).

Man darf schlussfolgern, dass eben jene, dem (Nonnen-) Kloster Bärbach gehörenden Weingärten als die Jungfrauenweingärten bezeichnet wurden.

1567 fielen die Güter des Klosters Bärbach im Zuge seiner Aufhebung an Landgraf Philipp, Graf von Katzenelnbogen, Diez, Ziegenhain und Nidda. Sein Sohn, Philipp der Jüngere, verkaufte sie 1568 in dessen Auftrag. (vgl. HHStAW, Bestand 12, Nr. 240).

08. Januar 1568

Landgraf Philipp der Jüngere, Graf von Katzenelnbogen, Diez, Ziegenhain und Nidda, verkauft dem Grafen Georg von Leiningen, Herrn zu Weaterburg und Schaumburg, für 4080 Gulden Limburger Währung, die dieser ihm bezahlt hat, seine Weingärten zu Cramberg und Steinsberg, genannt die Jungfrauenweingärten, …

Originaldatiering: G. den 8. Januar 1568

Quelle:
Arcinsys / Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 12, Nr. U 237 und U 240,1568

Gegenwart

Obwohl der Basaltkegel des Küppel sich ca. 30m und nahezu kreisrund aus der ihn umgebenden Hochfläche erhebt und daher an seinem Süd- und Westhang für den Anbau von Wein gut geeignet war, weist heute nichts mehr auf vergangenen Weinbau am Küppel hin.

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Am Küppel
Foto: © 2019 Jörg Thamer - Lahn-Facette Küppeltour

Am nördlichen Teil des Westhanges befindet sich ein ehemaliger Basaltbruch, der heute sporadisch als Veranstaltungsgelände genutzt wird.

Der obere und steilere Abschnitt des Südhangs wird von großen Basaltfelsen dominiert, deren geologische Herkunft zweifelsohne dem Basaltkegel des Küppel zugeordnet werden können. Vermutlich sind sie Überbleibsel des Basaltabbaus, wenngleich die Sinnhaftigkeit ihrer Lagerung oberhalb des vergangenen Basaltbruchs angezweifelt werden darf. Insofern ist auch eine frühere ’natürliche‘ Ablagerung durch Vulkanismus nicht auszuschließen.

Bei genauer Betrachtung des Oberflächenverlaufs am unteren, flacheren Teil des Südhangs lassen sich an wenigen Stellen Terrassierungen erahnen. Ob diese allerdings mittelalterlichem Weinbau zugeordnet werden können, ist zweifelhaft.

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Topografische Lage

Lage: 200m ostwärts Steinsberg
Exposition: 120° - 230° (S0-SW)
Hangneigung: Ø 50%
Größe: ca. 10.000 qm
Steinsberg, Flur 2, Der Küppel 
© 2019 LVermGeo / Geoportal Rheinland-Pfalz

Adelhahn

Fast 700 Jahre nach seiner ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1319 und 60 Jahre nach der letzten Lese im Jahr 1958 begann mit der Wieder-Bestockung der im Zuge der Flurbereinigung rekultivierten Lage die Zukunftssicherung des Weinbaus an der Lahn.

Langenscheider Klamm

Dieser ehemalige Weinberg an der Langenscheider Klamm befindet sich im Lahntal zwischen Balduinstein und Geilnau in der Gemarkung Langenscheid am Südhang eines beginnenden Taleinschnitts.