Die erste bekannte urkundliche Erwähnung von Weinbau in der heute noch so benannten Cramberger Flur Unterm Stocker Weg datiert aus dem Jahr 1472.
Erster bekannter urkundlicher Nachweis
26. Mai 1472
‚Coincze‘ Heilwig von Montabaur, wohnhaft zu Limburg, und seine Frau Guette verkaufen dem Peter Bock von Schönborn, Schaffner zu Bärbach (‚zu der Berp-‚), […] folgende Pfenniggülte, die sie laut einer Urkunde, die er auch von ihnen besitzt, von den Junkern Jakob und Johann ‚Sneyssen‘ gekauft haben, mit Ausnahme von 2 Albus, die Henne Horne von einem Weingarten auf dem ‚Spainwelde‘ gibt, und von 2 Albus, die Heinrich Rytze auch von einem Weingarten auf dem ‚Spainwelde‘ gibt, auch außer dem Weingarten, genannt ‚das Muell‘: 4 Tournosen Limburger Währung, die Scherrer Henne aus seinem Garten hinter seiner Scheuer und von einem Flecken Weingarten unter dem Stockheimer Wege gibt; 3 Albus, die ‚Liisen‘ Dietrich von seinem jungen Weingarten unter der Burg gibt; 4 Albus, die Forste von dem Weingarten auf dem Stockheimer Wege gibt; 4 Albus, die Tzymmer Heintze von einem Weingarten unter dem Stockheimer Wege gibt; 4 Albus, die ‚Wiigel‘ der Weber gibt von einem Weingarten ‚off deme Stockewen‘ und von dem Weingarten, den dieser von Heinrich Nytze hat; 7 Albus, die ‚Dyleghin‘ Daelheymer und dessen Eidam Henne Scheffer geben von ihrem Wohnhaus und Hof und von einem Weingarten ‚an Rodengasße und stoeßet off Wesseln Holin‘; 3 Tournosen, die Gerlachs Henne gibt von einem Weingarten unter dem Stockheimer Wege an Heyßeghin und von einem Stück Land ‚off deme Spenwenden‘ zwischen Horne und Nytzen; 5 Albus, die Connen Henne von Lohrheim (‚Lare-‚) von seinem Haus und Hof, das er bewohnt, und von einem Weingarten ‚off deme Stockeben‘ gelegen zuschen Wessel Holin‘ gibt; 2 Albus, die ‚Wiigel‘ der Schneider von den Gütern gibt, die er von seiten des Junkers Jakob hat. Sie haben diese Gülten dem Schaffner mit Halm und Mund aufgetragen, wie zu Cramberg rechtsüblich, vor Henne von Lohrheim, Schultheiß und Schöffe, und Gerlachs Henne, Schöffe daselbst. Sie geloben, Jahr und Tag gute Währschaft zu leisten.
– Siegel des Junkers Johann von Reifenberg, Amtmanns zu Schaumburg (‚Schauwenberg‘).Originaldatierung.: G. am dinstage na der heyligen driifaltickeyt tag 1472
Quelle:
Arcinsys / HHStAW, Bestand 12, U 177
Lokalisierung
Wenngleich der erste bekannte urkundliche Beleg den Stockheimer Weg benennt, darf davon ausgegangen werden, dass durch die sprachliche Veränderung über mehrere Jahrhunderte auch die in den folgenden Dokumenten verwendeten Bezeichnungen Stockober Weg (1480), Stockheymer Weg (1584) sowie die heute Flurbezeichnung Unterm Stocker Weg örtlich gleichzusetzen sind.
So dürfte damit die Verbindung zwischen dem Ort und der Lage Stockofen bezeichnet worden sein.
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Quelle:
© Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz
Unter Berücksichtigung der Topografie läge die mittelalterliche Lagebezeichnung under dem Stockober Weg im Bereich der heutigen Flur Hirschstück und Bangertsdell, während die Bezeichnung off dem Stockober Weg im Bereich der heutigen Fluren Auf dem Bangert und Im Bangert lag.
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Quelle:
© GeoBasis-DE / LVermGeoRP 2025, dl-de/by-2-0,
www.lvermgeo.rlp.de
Dieses durch Laserscanbefliegungen erstellte digitale Geländemodell weist in den benannten Hanglagen die für Weingärten typische Terrassierung auf. Insofern dürfen diese Lagen als hinreichend umfassend belegt angesehen werden.
Weitere urkundliche Nennungen
1480
Zinsregister des Klosters Bärbach
1. Anno Domini 1480. Dieses sint czynsse und gulde, als die jonffrauwen zu der Berppach fallendehan, bezeichnet mit den gudern, davon sie fellig synt. […]
Krampurg:
[…]
Heynrich Rode 2 alb. von zweyen placken wingartz gelegen under dem Stockober wege. –
Henne Lange 2 alb. daselbs von eyme wingart(en) unde sint hievormails eyn wingart gewest. –
Heyncze Forst 4 alb. von eyme wingart off Stockober wege. –
[…]
Henne Gerlach 4 alb. von eynem wingart gelegen under dem Stockober wege.
[…]
Derselbe 2 alb. von eyme pleckelgin wingartz gelegen off dem Stockober wege an Meffrit. –
[…]
Michel Moyr 8 alb. von eynem wingarten under dem Stocker wege unde von eyme garten hinden an siner schuren. –
[…]
Quelle:
Arcinsys / HHStAW, Bestand 12, U 191
auch: Wolf Heino Struck, Quellen zur Geschichte der Klöster und Stifte, a.a.O., Band 3, Nr. 231
1584
Von obernantem dorff Kramburgk
hast der hospithal einen weingarten, denselbigen haben Sander Vera und Michels Peter ums das dritte theill alles gewechß erblichen bestanden, nach aussweißung ihres darüber gegebenen Revers und endpfangenen lehenbriffs.Verzeichnis der weingarten
Ein weingart in Kramburger gemarck gelegen, der Kramburger weingart genant, Terminus außen tzu Stahel Hanssen Melchiors Heymer zu Diederich Schmidts weingarten gelegen, oben ahn das Kramburger feldt, unden ahn den Stockheymer Wege stoßend; Desselbigen weingarten hadt Sander Verß drey theill und Michels Peter ein theill zu erbe endtpfangen.Dieser weingartt ist vorgenannten Sander Vers und Michels Petern vor 64 gulden, den gulden zu 24 albus in anno et cetera [15]94 verkauft und dem hospithal in anno et Zeter [15]95 durch mich unten benentten also so rechnett.
Johannes Breull
Quelle:
Michael Mucha, Salbuch des Klosters Gronau von 1584 - Entwurf, a.a.O. Fol. 340 ver.
Copia des reverss, so uff beschehene leyhe Sander Verß und Michels Peternübergeben:
Wier, nachbenante Michels Peter, Ameley, seine eheliche hausfrawe, und ich, Sanders Verß, Elsa, seine eheliche hausfrawe, beyde wohnhafftig zu Kramburgk, bekennen sampt und sonders, vor uns und alle unsere erben und erbnehmente, das wier umb den edlen und ehrenvesten, auch erbarn und achtparen Joan Clawern zu Wahera, obervorsteher der vier hohen Hospithalien fürstenthumbs Hessen et cetera, und Heinrich Buckingen, voigten des hohen hospithals Grunaw anstadt und von wegen ermeltes hospithals Gruna zu rechtem erbe erblichen bestanden und endtlehenet haben; bestehen auch und endtlehenen hiermit sampt und sonders alls ich Michaels Peters das voierdten theill und ich Sanders Verß das dritte theill eines morgen weingartens in Kramburger gemarck, der Kriengenweingarten, itzunder aber der Bramperger weingart genant, welcher gelegen ist uff Stockheymer Wege, außentzunStahel Hansen Melchior, heymertzue Dietrich Schmidts weingarten, oben ahn sa Kramburger Feld, unden zu an Stockholmer Wege stoßendt.
[…]
Fol. 341 rec./ver.
Letzte bekannter Hinweis auf Weinbau in dieser Lage
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Quelle:
Preußische Kartenaufnahme 1:25 000 (1843-1878), Uraufnahmeblatt/Urmesstischblätter, Blatt 5613
© GeoBasis-DE / LVermGeoRP 2025, dl-de/by-2-0, www.lvermgeo.rlp.de
In der nachfolgenden Karte ist auch im Bereich der Flur Im Bangert offensichtlich noch Weinanbau verzeichnet. Ob diese Lage zu dieser Zeit noch im Ertrag stand, ist nicht bekannt.
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Titelbild:








